ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Palästina: Zahlen sprechen deutliche Sprache
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LNSLNS . . . Der Bericht der IPPNW zeichnet sich durch bemerkenswerte Sachlichkeit und Zurückhaltung bei der Schilderung der Leiden der Palästinenser aus. Die berichteten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache (Müttersterblichkeit zehnfach höher als in Israel). Die systematische Zerstörung der zivilen Infrastruktur in den besetzten Gebieten, die anhaltende Landnahme (derzeit wird die 26. jüdische Siedlung seit Scharons Machtantritt auf arabischem land gebaut), das Abholzen der Olivenhaine und Abgraben des Wassers, um nur einige Beispiele zu nennen, erzeugen einen Hass, dessen Folgen nicht nur die Israelis, sondern zunehmend auch die Amerikaner und auch wir (siehe Djerba) zu spüren bekommen. Von der Bevölkerung Friedfertigkeit zu verlangen, während man sie permanent drangsaliert, das ist Chuzpe . . .
Zweifellos leidet die israelische Zivilbevölkerung in unerträglichem Maß unter den Selbstmordattentaten, die ein verzweifelter Akt des Aufbegehrens gegen anhaltende Unterdrückung sind. Soweit Krankentransportfahrzeuge missbraucht wurden, um Waffen oder Sprengstoff zu transportieren, sind härteste Gegenmaßnahmen verständlich. Wie aber rechtfertigt man die Verweigerung oder systematische Verhinderung medizinischer Hilfe für Zivilisten oder Frauen unter der Geburt, indem man die Betroffenen stundenlang vor Straßensperren in glühender Hitze ohne Unterstand, ohne Begründung warten lässt? Selbst Araber mit israelischem Pass werden in Israel wie Menschen zweiter Klasse behandelt. In diesen Tagen erleben wir ein erneutes Aufflammen der Antisemitismus-Diskussion in unserem Land. Herr Friedman behauptet, 15 bis 25 Prozent der deutschen Bevölkerung seien zumindest latent antisemitisch eingestellt. Möllemann habe gesagt, die Juden seien selbst schuld am Antisemitismus, so wurde ihm wahrheitswidrig angedichtet. In einem solchen Klima erscheint es schwierig, kühl und sachlich zu bleiben . . .
Dr. med. Hermann Schill,
Gelbe Loh 13, 63526 Erlensee

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