ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Tierversuche: Verunglimpfung

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Tierversuche: Verunglimpfung

Dtsch Arztebl 2002; 99(37): A-2404 / B-2055 / C-1926

Kuschinsky, Wolfgang

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LNSLNS Mit großem Bedauern habe ich feststellen müssen, dass das DÄ einen Artikel über Tierversuche veröffentlicht hat, der aus der Sicht derer, die hiermit befasst sind, in Form und Inhalt nicht den Kriterien einer ausgewogenen Darstellung entspricht. Schon die beiden Bilder zeigen, dass die Grundtendenz des Artikels gegen die biomedizinische Forschung gerichtet ist. Solche Bilder werden immer wieder zur emotionalen Aktivierung des Betrachters verwendet und sollen eine ausgewogene Diskussion unmöglich machen.
Einige Beispiele aus dem Artikel belegen dies: „Die derzeit geforderte wissenschaftlich begründete Darlegung der ethischen Vertretbarkeit ihres Forschungsvorhabens scheinen sie (die Forscher) ohnehin nicht besonders ernst zu nehmen.“ – Ist das nicht eine böswillige Verunglimpfung aller biomedizinischen Forscher?
„Die ethische Güterabwägung zwischen den Interessen der Gesellschaft und den Interessen der Tiere ist ohnehin ein aus ethischer Sicht fauler Kompromiss.“ – Hier spricht ein Fundamentalist, der nicht akzeptiert, dass Güterabwägungen Grundlagen des Zusammenlebens unserer Gesellschaft sind.
Dasselbe gilt für die Formulierung: „In dieser Form ist die ethische Abwägung ihrem Prinzip nach unlogisch und eine unmoralische Abwägung.“
Bei dieser Einstellung des Autors, der übrigens Arbeitnehmer einer tierschutznahen Stiftung ist, ist es nicht erstaunlich, dass er die Aufnahme des Tierschutzes in das Grundgesetz positiv sieht. Dass diese populistische Entscheidung im DÄ begrüßt wird, ist sehr bedauerlich, denn diese Maßnahme wird zur weiteren Behinderung der biomedizinischen Forschung in Deutschland führen.
Prof. Dr. Wolfgang Kuschinsky, Gesellschaft Gesundheit und Forschung, Institut für Physiologie und Pathophysiologie, Universität Heidelberg,
Im Neuenheimer Feld 326,
69120 Heidelberg
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