ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002BSE: Die klinischen Symptome sind nicht neu
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LNSLNS Ich möchte den Autoren für ihren ernüchternden Beitrag herzlich danken. Ich möchte noch einen weiteren Gesichtspunkt mit ins Feld führen. . . Die eigentliche Angst und die große Panik vor der Übertragung von BSE auf den Menschen wurde durch eine Arbeit, die 1996 in Nature von J. Collinge publiziert wurde, ausgelöst. Begleitet von einem Editorial von Prof. Charles Weissmann, wurde in dieser Arbeit durch eine molekulare Analyse nahe gelegt, dass der Erreger von BSE und der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung identisch seien. Diese Arbeit wird von Biochemikern wie Herrn Prof. Scholz aus München heftig kritisiert. Auch andere, wie der britische Epidemiologe Venters, bezweifeln, dass die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung tatsächlich eine neue Krankheit ist.
Auch mir als Kliniker fällt es sehr schwer zu glauben, dass die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung tatsächlich eine neue Entität ist, vor allem wenn man bedenkt, dass eines der Hauptargumente die Altersbias ist, insofern, als gesagt wird, die Opfer seien jünger als die der sporadischen und genetischen Formen. Die klinischen Symptome und auch das histologische Bild der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung sind nicht neu. Sie entsprechen der klinischen Beschreibung des ersten Falles, den Herr Prof. Creutzfeldt bei einem 23-Jährigen beschrieb.
Ein weiteres epidemiologisches Argument möchte ich hiermit hinzufügen. Der Lancet publizierte 2001 die kumulative Inzidenz der nvCJK in Großbritannien. Eine vergleichbare Abbildung zur kumulativen Inzidenz von BSE findet sich bei Anderson et al. in Nature. Es findet sich hier eine geradezu inverse Korrelation insofern, als die Häufigkeit der nvCJK im Norden Schottlands offenbar am größten war, während die Inzidenz von BSE im Süden Englands am größten war.
Hierzu möchte ich anmerken, Epidemiologie kann nie einen Kausalzusammenhang beweisen, sie kann einen Kausalzusammenhang jedoch widerlegen. Oder ist das Fleisch der BSE-kranken Kühe ausschließlich im Norden Schottlands verzehrt worden?
Literatur beim Verfasser
Dr. med. Claus Köhnlein,
Königsweg 14, 24103 Kiel
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