ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Berufskrankheit: Münchner Modell
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LNSLNS Das Erstatten offensichtlich unbegründeter Berufskrankheiten-Verdachtsanzeigen, wenn weder technische noch medizinische Voraussetzungen für eine Berufskrankheit sprechen, schafft bei allen Beteiligten Verdruss . . .
Die häufigsten ärztlichen Fehler in diesem Zusammenhang sind aus meiner Sicht:
! Das voreilige Ausstellen von Attesten, ein Erkrankter „dürfe“ aus ärztlicher Sicht nicht wieder an seinen Arbeitsplatz, ohne dass eine qualifizierte fachärztliche Objektivierung des Krankheitsbildes erfolgt und ohne dass die Konsequenzen bedacht werden. Hier resultiert oft völlig unnötigerweise ein Arbeitsplatzverlust, wenn bei vernünftiger Vorgehensweise betriebsbezogene Präventionsmaßnahmen ausgereicht hätten. Wenn dann noch, wie oftmals, die technischen, medizinischen und juristischen Voraussetzungen für die Anerkennung einer Berufskrankheit nicht gegeben sind, steht der Erkrankte oft aufgrund solcher kurzerhand ausgestellter Atteste vor dem Nichts.
! Das Nicht-Erkennen von Berufskrankheiten-Verdachtsfällen infolge Nicht-Wissens. Wenn den gebietsbezogenen klinisch tätigen Ärzten Zusammenhänge zwischen n-Hexan und Polyneuropathie, Asbestexposition und Larynxkarzinomen, Quarzstaub und Lungenkrebs nicht bekannt wird, liegt hier ein bedauerliches Defizit vor. Insbesondere bei Krebsfällen und obstruktiven Atemwegserkrankungen sehe ich eine große Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle.
! Ärzte unterschätzen häufig die Möglichkeiten der Prävention durch die gesetzliche Unfallversicherung, besonders im Vorfeld von Berufskrankheiten – so können teilweise Maßnahmen zur Expositionsminimierung bis hin zur Umschulung von der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen werden, wenn eine Berufskrankheit droht.
Da dieses Gebiet nicht minder kompliziert ist als andere medizinische Subspezialitäten und von einer enormen juristischen und medizinischen Dynamik begleitet wird, hat sich unser einfaches Münchner Modell bewährt: die konsiliarische Vorstellung solcher Patienten in unserer universitären arbeitsmedizinischen Poliklinik. Kliniken und niedergelassene Kollegen nehmen dieses entlastende Angebot gerne an.
Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Institut und Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität, Ziemssenstraße 1,
80336 München
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