ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002COPD-Therapie: Tiotropium verbessert die Lungenfunktion

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COPD-Therapie: Tiotropium verbessert die Lungenfunktion

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Etwa sieben Prozent der Menschen in Deutschland leiden an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Im Jahr 2020 werde diese Atemwegserkrankung voraussichtlich die dritthäufigste Erkrankung mit tödlichem Ausgang sein, prophezeit Prof. Helgo Magnussen (Großhansdorf). Eine weltweit einheitliche Definition für die COPD gibt es nicht. Die Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Diseases (GOLD) definiert das Krankheitsbild als „eine Lungenerkrankung, bei der eine nicht vollständig reversible Einschränkung des Atemflusses vorliegt (Tabelle). Die Einschränkung des Atemflusses ist fortschreitend und geht mit einer abnormen entzündlichen Reaktion auf inhalative Noxen einher“.
Diagnostische Abgrenzung zu Asthma
Der typische COPD-Patient ist in der Regel älter als 40 Jahre und starker Zigarettenraucher. An Asthma erkranken hingegen alle Altersstufen. Auch kann eine direkte Korrelation zum Rauchen bei Asthma-Patienten nicht hergestellt werden. Darüber hinaus erleiden Asthma-Patienten meist nur in Zusammenhang mit einem Anfall Atemnot; der Husten zeigt sich als unproduktiver Reizhusten, der auch nachts auftreten kann.
Die Spirometrie mit Bestimmung der Einsekundenkapazität und Prüfung der Reversibilität der Obstruktion ist deshalb für die COPD-Diagnose unerlässlich. Typische Ergebnisse bei COPD sind FEV1/FVC-Werte unter 70 Prozent. Bei Asthma-Patienten verhalten sich diese Parameter hingegen meist unauffällig.
Vor jeder medikamentösen Therapie steht zunächst die Raucherentwöhnung. Zur medikamentösen Behandlung der COPD waren bisher nur kurz oder lang wirksame Beta-2-Sympathomimetika und kurz wirksame Anticholinergika verfügbar. Die Therapiemöglichkeiten erweitert der lang wirksame cholinerge Muscarinrezeptor-Antagonist Tiotropium, der selektiv nur den M3-Rezeptor blockiert.
Tiotropium (Spiriva®) ist ein Bronchodilatator, der seinen Effekt über 24 Stunden ausübt und eine etwa zehnfach höhere Affinität zum Muscarinrezeptor zeigt als Ipatropium. Auch die differenzielle Dissoziation aus der Rezeptorbindung geschieht sehr viel langsamer, sodass für die Substanz eine maximale Bronchodilatation über 15 Stunden nachweisbar ist, ehe der Effekt langsam nachlässt. Daher genüge eine einmal tägliche inhalative Applikation von Spiriva für eine 24-Stunden-Wirkung, sagte Prof. Martin C. Michel (Essen).
Die therapeutische Überlegenheit von Tiotropium gegenüber den bisher verfügbaren Medikamenten wurde in klinischen Studien bewiesen. Vier Studien dauerten zwölf Monate, zwei Studien sechs Monate. Tiotropium sei mit Placebo, Ipratropium und Salmeterol verglichen worden, berichtete Magnussen. Es konnte im Einzelnen belegt werden, dass Tiotropium
- im Vergleich zu Placebo, Ipratropium und dem lang wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum Salmeterol eine Verbesserung der Lungenfunktion in der Langzeittherapie bewirkt, ohne dass es zur Toleranzentwicklung kommt;
- gegenüber Placebo, Ipratropium und Salmeterol die Dyspnoe der Patienten stärker reduziert sowie Anzahl und Dauer von Exazerbationen senkt;
- die Lungen-Überblähung reduziert und die Belastbarkeit der Patienten nachhaltig verbessert;
- die zusätzliche Einnahme von kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetika reduziert;
- sich in allen Studien als sicher und gut verträglich erwiesen hat, mit dem einzigen unerwünschten Nebeneffekt der Mundtrockenheit.
„Hervorzuheben ist der in allen Studien nachgewiesene günstige Effekt auf die Lebensqualität, die Belastbarkeit und die Kurzatmigkeit. Mit dem neuen Medikament wird ein neuer Standard in der COPD-Therapie gesetzt“, beurteilt Magnussen das Arzneimittel.
Spiriva wird zusammen mit dem speziellen Inhalationssystem HandiHaler® angeboten. Mit diesem Gerät wird das mikronisierte Tiotropium appliziert. Die Substanz ist zusammen mit Laktose in einer Kapsel eingeschlossen. Jede Kapsel entspricht einer Dosis. Die Kapsel wird in den HandiHaler eingeführt, mit einem Knopfdruck durchlöchert und ihr Inhalt anschließend inhaliert. Dabei reiche eine minimale inspiratorische Flussrate von 20 l/min aus, die auch von schwer kranken Patienten aufgebracht werden kann, erläuterte Dr. Jürgen Nagel (Ingelheim). Siegfried Hoc

Einführungspressekonferenz für Spiriva® der Firmen Pfizer und Boehringer Ingelheim in Hamburg
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