ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2002Stoßseufzer aus dem Leserkreis

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Stoßseufzer aus dem Leserkreis

Selle, Gregor

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Herr Meier fühlt sich morgens krank,
hat ‘nen guten Doktor, Gott sei Dank!
Er diesen zeitig bald erreicht,
voll Freude er sein Kärtchen zeigt.

Doch oh je, was muss er sehen,
Patienten in der Schlange stehen.
Er las grad von der Ärzteschwemme,
hier brechen doch wohl alle Dämme!

Nun, es geht ihm gar nicht gut,
dieser Faktor gibt ihm Mut,
ich bin gleich dran, mir wird geholfen,
und morgen kann ich wieder golfen.

Doch es geht und geht nicht weiter,
dies findet Meier gar nicht heiter.
Er meint, sein Doc war früher schneller,
der Service scheint auch hier im Keller!

Irgendwann ist er dann dran,
im Kittel steht ein müder Mann,
hochgebildet, Budget am Ende,
seien gebunden die fleiß’gen Hände.

Die Beratung dauert an Minuten sieben,
für die Behandlung sind nur 60 Sekunden geblieben,
der Arzt will geben viel Information,
Patienten Meier zu erklären die Situation.

Da dieser nur die Hälfte versteht,
wertvolle Zeit verloren geht.
Er kann’s nicht kapieren und wird ziemlich sauer,
rennt zur Kasse, die erklärt’s ihm genauer:

„Ihr Arzt muss alles, was Not tut, verschreiben,
Lebensgefühl steigern und verringern das Leiden,
und wenn er das nicht vorbildlich macht,
drohen wir mit dem Kadi, das wär doch gelacht!

Und hat er verordnet an Summe zu viel,
gibt’s eine Richtgrößenprüfung in diesem Spiel,
wir holen von seinem Konto zurück,
was er verschrieben zu Ihrem Glück!“

Beiträge stabil, Herr Meier gesund!
Nur dem Doktor wird die Sache endlich zu bunt.
Wenn die Politiker mehr Mut zur Ehrlichkeit hätten,
wären die Ärzte nicht länger Marionetten!
Dr. med. Gregor Selle
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