ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Obstruktive Lungenerkrankungen: Exazerbationen nach Bakterienwechsel

AKTUELL: Akut

Obstruktive Lungenerkrankungen: Exazerbationen nach Bakterienwechsel

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Nicht die Anwesenheit von Bakterien in den Atemwegen ist, wie bisher angenommen, verantwortlich für die Auslösung von Exazerbationen bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Die Dyspnoe-Attacken werden vielmehr durch die Infektion mit neuen Bakterienstämmen ausgelöst. Dies zeigt eine Studie im New England Journal of Medicine (2002; 347: 465–471). Die Studie von Sanjay Sethi (Universität von New York, Buffalo) lässt eine jahrzehntealte Kontroverse zur Bedeutung von bakteriellen Infektionen bei der COPD aufleben. Die Erkrankung, die die chronische Bronchitis und das Emphysem umfasst, betrifft zu 90 Prozent Raucher. Die meisten Patienten sterben während einer akuten Exazerbation der lange Zeit „ruhigen“ Erkrankung. Eine Standardbehandlung besteht in der Gabe von Antibiotika. Diese Behandlung war bisher ausschließlich empirisch, denn während der Exazerbation sind die Luftwege der Patienten von den gleichen Bakterien besiedelt wie während der „Ruhephase“ der COPD. In dieser Zeit gelingt es dem Immunsystem, diese Erreger in Schach zu halten. Warum es plötzlich zu einer Verschlechterung kommt, war unklar. In einer prospektiven Langzeitstudie haben Sanjay Sethi und Mitarbeiter seit 1994 bei 81 Patienten regelmäßig das Sputum mikrobiologisch untersucht.

Dabei wurde nicht nur nach der Anwesenheit von Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis und Streptococcus pneumoniae, den häufigsten bakteriellen Atemwegserregern, gesucht, die Bakterien wurden vielmehr einer aufwendigen molekularen Typisierung unterzogen. Nur so konnten die Autoren beweisen, dass die Erreger vor und während der Exazerbation nicht die gleichen waren. In 33 Prozent aller Exazerbationen wurden neue Bakterienstämme gefunden, gegenüber 15,4 Prozent bei den Sputumuntersuchungen ohne Exazerbation. Es wurden mehr als 4 000 verschiedene Bakterienstämme bei den Patienten gefunden.

Die Ergebnisse werden vorerst keinen Einfluss auf die Behandlung der COPD haben, meint Nick Anthonisen vom Respiratory Hospital in Winnipeg im Editorial (2002; 347: 526–527). Er erinnert daran, dass neben Bakterien auch Viren eine akute Exazerbation auslösen können. Daneben dürften auch Luftschadstoffe eine Rolle spielen, die die Atemwege verengen. An der Standardbehandlung mit Antibiotika ändere sich nichts. Allerdings dürfte die Erkenntnis die Entwicklung von Impfstoffen gegen die häufigsten Atemwegserreger stimulieren. Rüdiger Meyer
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