ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Krankenhausfinanzierung: Falscher Ansatz mit Kostenwirkungen

POLITIK

Krankenhausfinanzierung: Falscher Ansatz mit Kostenwirkungen

Clade, Harald

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LNSLNS Bundesärztekammer und medizinische Fachgesellschaften
befürchten Verzerrungen bei den DRG-Kostengewichten und eine Verfälschung der DRG-bezogenen Definitionen.

Die Vorbereitungs- und Umsetzungsarbeiten im Zusammenhang mit der Implementation des diagnosebezogenen Fallpauschalen-Systems (DRG) führt im Zusammenhang mit dem Optionsmodell 2003 erneut zu Turbulenzen und Ungereimtheiten mit „ordnungspolitischen Fernwirkungen“. Dies wurde bei einer Anhörung der Spitzenverbände am 3. September auf der Fachebene des Bundesgesundheitsministeriums in Bonn deutlich, bei welcher die „Version 0.9 des G-DRG-Fallpauschalen-Katalogs des Optionsmodells 2003“ mit den Sachverständigen erörtert wurde. Die Bundesärztekammer und andere Ärzteorganisationen haben sich sehr kritisch über den Fallpauschalenkatalog, die Entwurfsfassung der Handbücher und die dabei angewandte Methodik geäußert. Falls dies Grundlage für die Umsetzung des DRG-Optionsmodells 2003 sein wird, bestehe die Gefahr, dass Fehlanreize im Optionsmodell implementiert werden. Eine nachträgliche Korrektur oder grundsätzliche Änderung wird dann kaum oder nur noch unter erschwerten Bedingungen möglich sein. Die Bundesärztekammer und die Fachgesellschaften sehen weder medizinisch noch technisch, noch kalkulatorisch die notwendigen Voraussetzungen erfüllt, um das vom Verordnungsgeber (Bund) im „Hauruck-Verfahren“ angestrebte Optionsmodell 2003 rechtzeitig umzu-
setzen.
Die Bundesärztekammer hat sich bei dieser Gemengelage dafür eingesetzt, das auf deutsche Krankenhausverhältnisse transformierte und angepasste australische DRG-System zunächst im Rahmen einer auf das Jahr 2003 begrenzten Simulation auf der Basis realistischer Daten deutscher Krankenhäuser zu überprüfen und dann noch bestehende Fehler und Kalkulationsmängel rasch zu beheben. Die Bundesärztekammer lehnt die jetzige Vorgehensweise des Bundesgesundheitsministeriums und die mit den Vorarbeiten beauftragten Institute als intransparent ab. Deshalb sei es in der noch zur Verfügung stehenden Zeit bis zum Start des Optionsmodells unmöglich, die in den G-DRG-Handbüchern vorgenommenen Zuordnungen deutscher ICD-10-SGB-V- und OPS-301-Codes zu den Fallpauschalen zu bewerten und zu überprüfen.
Handbücher kaum brauchbar
Eine stichprobenartige Überprüfung hat ergeben, dass die bisher entworfenen G-DRG-Handbücher das Ziel einer im Vergleich mit der australischen Version „möglichst unveränderten Fallgruppenzuordnung“ verfehlen. Insbesondere infolge der vorgenommenen DRG-Zuordnungen der nicht im Maßstab von 1:1 übertragbaren australischen Prozedurenschlüssel auf die deutschen OPS-Codes und die deutsche Krankenhausmedizin würden, falls dies so Gesetzesrealität würde, teils erhebliche Änderungen der Fallgruppendefinitionen bewirken. Insofern ist die jetzt unter Hochdruck vorgenommene Erstellung eines ersten deutschen Fallpauschalen-Entgeltsystems so für den Abrechnungsbetrieb in den Krankenhäusern kaum brauchbar.
Die Bundesärztekammer und die meisten Kassenverbände kritisieren darüber hinaus, dass sich die Modifikationen nicht auf empirische Datengrundlagen stützen, sondern vielmehr am „grünen Tisch“ durch die beauftragten Institute entwickelt wurden. Dadurch resultieren erhebliche ökonomisch relevante Verzerrungen und Schieflagen bei den DRG-Kostengewichten.
Inzwischen haben auch die Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenversicherung – mit Ausnahme des AOK-Bundesverbandes – sowie die Bundesärztekammer zusammen mit dem Marburger Bund, dem Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V., der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände, anderen Ärzteverbänden und dem Deutschen Pflegerat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) aufgefordert, solide und korrekte Kalkulationsgrundlagen für die Fallpauschalen zu schaffen. Die lückenhaften und kaum repräsentativen Kalkulationsdaten seien völlig unzulänglich und zum Teil fehlerhaft. Dies habe auch die parlamentarische Staatssekretärin des BMG, Gudrun Schaich-Walch, beim 1. Nationalen DRG-Forum am 29. August in Berlin eingeräumt. Die Krankenkassen befürchten Ausgabenzuwächse in Höhe von rund zwei Milliarden Euro jährlich. Dies wird vom BMG als „unbegründet“ zurückgewiesen. Beitragssatzerhöhungen seien deshalb nicht mehr auszuschließen. Zudem befürchten die Krankenkassen eine erhebliche Ausweitung der Fallzahlen. Denn erst im Jahr 2004 würden Ausgleiche für Mehreinnahmen infolge von Mengensteigerungen nach dem Fallpauschalengesetz ausgeglichen.
Die Bundesärztekammer schlägt vor: vollständige Offenlegung der Mapping-Tabellen, eine Markierung und nachvollziehbare begründete Zuordnung kritischer Bereiche durch Fachgruppen mit Überprüfung anhand von repräsentativen empirischen Daten deutscher Krankenhäuser. Darüber hinaus müssten die in der Australian Refined DRG-Version 4.2 und 5.0 vorgenommenen Fehlerkorrekturen bei der Erstellung der deutschen Übersetzung berücksichtigt werden. Dann könnte
die daraus entstehende Rohfassung des deutschen DRG-Fallpauschalen-Katalogs im Jahr 2003 auf Simulationsbasis verbindlich für alle Krankenhäuser eingesetzt werden. Dr. rer. pol. Harald Clade

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