ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Großbritannien: Eigenverantwortlich tätige Fachärzte
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LNSLNS Auch die Leserbriefschreiberin hat Unrecht: „Consultants“ sind weder „Oberärzte“ noch „Chefärzte“, sondern eigenverantwortlich tätige Fachärzte.
Es gibt in der ganzen angelsächsischen Medizin kein dem deutschen Chefarztsystem vergleichbares Organisationsprinzip. Nach einer differenzierten Weiterbildung über verschiedene Kompetenzstufen (in Großbritannien JHO und SHO) und der Consultant-Vorbereitungsstufe als „Registrar“ ist man „Consultant“ mit „seinen“ Betten und „seinen“ ambulanten Patienten. Eine Klinik, die in Deutschland einen Chef, einen Ltd. OA, zwei OÄ, drei Funktionsoberärzte und drei Fachärzte als „Assistenzärzte“ hätte, hätte in Großbritannien stattdessen neun Consultants – alle gleichberechtigt – und für die in einer Klinik notwendigen administrativen Aufgaben einen „medical administrator“, einen in Verwaltung spezialisierten Arzt, der darin viel kompetenter ist als ein deutscher Chefarzt. Dieses Prinzip ist in der angelsächsischen Medizin sowohl in staatlichen (Fachärzte sind staatliche Angestellte) als auch privaten Gesundheitssystemen (Fachärzte organisieren sich ähnlich dem deutschen Belegarztprinzip) üblich.
Durch den Verzicht auf Hierarchien ist dieses System nicht nur effizienter, sondern auch für alle Ärzte (bis auf die Chefs) befriedigender: Kein Facharzt muss sich niederlassen, um seine Patienten eigenverantwortlich behandeln zu können. Ein solches System wäre auch die Antwort auf den Fachärztemangel in deutschen Kliniken.
Dr. med. Holger Schmidt-Endres

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