ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Amoxicillin-Clavulansäure als mögliche Ursache schwerer Lebererkrankungen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Amoxicillin-Clavulansäure als mögliche Ursache schwerer Lebererkrankungen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): A-2496 / B-2150 / C-1997

Gresser, Ursula

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LNSLNS Die von Professor Lode/Berlin unterzeichnete Stellungnahme der Professoren Adam, Lode und Stahlmann zeigt, wie wichtig es ist, auch bei schon lange zugelassenen Medikamenten das Auftreten von Nebenwirkungen im Auge zu behalten.
Adam, Lode und Stahlmann weisen darauf hin, dass zahlreiche Studien neueren Datums keine Verringerung der Wirksamkeit von Amoxicillin/Clavulansäure im Vergleich zu Amoxicillin zeigen. Dies ist nachvollziehbar, geht aber am Thema der Übersichtsarbeit vorbei, die sich mit hepatischen Nebenwirkungen von Amoxicillin/Clavulansäure befasst.
Eine wichtige Ergänzung meiner Übersichtsarbeit sind die von Herrn Lode bekanntgegebenen Verordnungszahlen, die mir von der Herstellerfirma nicht zur Verfügung gestellt wurden, sodass mir eine Gegenüberstellung der Nebenwirkungszahlen mit den Verkaufszahlen nicht möglich war. Die Zahlen sind beeindruckend: 123 Länder, etwa eine Milliarde Verordnungen beziehungsweise behandelte Patienten. Bei einem so häufig eingesetzten Medikament besteht eine besondere Verantwortung, die Nebenwirkungen zu beobachten.
Ich habe in meiner Übersichtsarbeit darauf hingewiesen, dass die Epidemiologie arzneimittelinduzierter toxischer Lebererkrankungen trotz Bemühen verschiedener staatlicher Überwachungsorganisationen unklar ist und die Gründe hierfür erläutert. Den Gedanken von Herrn Lode, hieraus den Überwachungsorganisationen einen Vorwurf zu machen, kann ich nicht nachvollziehen.
Herr Lode bemängelt eine unvollständige Zitierung der Literatur, teilt aber nicht mit, welche Publikationen er vermisst.
Ich danke Herrn Lode für die Mitteilung, dass die Sicherheit von Amoxicillin/Clavulansäure mit der aktuellen Fachinformation beworben wird, nicht mit Studienunterlagen und darf aus der aktuellen Fachinformation eines Amoxicillin/Clavulansäure-Präparates zitieren: „[. . .] Die Leberfunktionsstörungen sind im allgemeinen reversibel. Sie können jedoch schwer sein. In extrem seltenen Fällen ist über letale Verläufe berichtet worden [. . .]“.
Hier weicht die Fachinformation von der Einschätzung von Herrn Lode ab, wie in Absatz 1 seines Leserbriefes zu lesen ist: „[. . .] gelegentlich [. . .] asymptomatischer mäßiger Anstieg der Leberwerte [. . .] in seltenen Fällen [. . .] Hepatitis und cholestatische Gelbsucht [. . .]“.
Die Arbeit im Deutschen Ärzteblatt ist eine Zusammenfassung einer im April 2001 erschienenen englischen Publikation im European Journal of Medical Research, bei welchem die Professoren Adam und Lode als Editors und Gutachter tätig sind. Beachtung fand erst die Publikation im Deutschen Ärzteblatt – ein deutliches Signal an all diejenigen, die Publikationen in deutschsprachigen Fachzeitschriften belächeln.
Herr Lode stellt die These auf, auch bei anderen Kombinationen seien Fälle von Cholestase bekannt und publiziert. Leider bleibt er hierfür den Beleg schuldig. Nebenwirkungen anderer Medikamente egalisieren nicht die Nebenwirkungen von Amoxicillin/Clavulansäure. Es wäre ja zu schön, wenn man Nebenwirkungen gegeneinander aufrechnen könnte – das geht aber nicht. Jeder Patient ist ein Einzelschicksal, und jeder durch eine vermeidbare Nebenwirkung geschädigte Patient ist einer zu viel. Ich empfehle deshalb, Nebenwirkungsberichte nicht wegzudiskutieren, sondern ernst zu nehmen. Im Übrigen bleibt es dem Arzt unbenommen, die medikamentöse Therapie bei seinen Patienten entsprechend seinen persönlichen Vorlieben und Erfahrungen zu gestalten. Der Wissenschaftler hat die Pflicht, den klinisch tätigen Arzt aktuell über Chancen und Risiken zu informieren.
In diesem Sinne ist die kritische Diskussion wünschenswert.

Prof. Dr. med. Ursula Gresser
Praxisklinik Sauerlach
Tegernseer Landstraße 8
82054 Sauerlach
E-Mail: info@praxisklinik-sauerlach.de

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