ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002„Aktiver Gesundheitsservice“: Messbare Erfolge

VARIA: Wirtschaft

„Aktiver Gesundheitsservice“: Messbare Erfolge

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): A-2498 / B-2134 / C-1998

Clade, Harald

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LNSLNS Die AXA Kran­ken­ver­siche­rung AG bietet Diabetikern strukturierte Schulungen an und betreibt aktives Kosten-Management.

Dr. Joachim von Rieth, im Vorstand zuständig für Produktmanagement, erläuterte vor der Presse die Aktivitäten in Sachen Disease und Case- Management. Foto: AXA Konzern AG
Dr. Joachim von Rieth,
im Vorstand zuständig
für Produktmanagement,
erläuterte vor der Presse
die Aktivitäten in Sachen
Disease und Case-
Management.
Foto: AXA Konzern AG
AXA Kran­ken­ver­siche­rung meldet für das erste Halbjahr 2002 einen Zuwachs bei den Beitragseinnahmen um 12,3 Prozent, bei den Leistungsauszahlungen ein Plus von 7,7 Prozent und um rund 19 Prozent erhöhte Kapitalerträge. Die Nettoverzinsung in 2002 stellt sich bisher auf 4,8 Prozent, die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote auf 5,6 Prozent. Die Gesamtkostenquote (Management expenses) beträgt 10,3 Prozent, die Verwaltungskostenquote 3,6 Prozent (im PKV-Branchendurchschnitt: mehr als sechs Prozent). Allerdings beträgt die aktuelle Abschlussquote 14,1 Prozent (also für Provisionen an Versicherungsmakler und -agenten).
Infolge des Cost-Managements, Boni, Beitragsrückerstattungen und Aktiven Gesundheitsmanagements konnten in sechs Bereichen die Tarife unverändert gehalten werden. So gibt es einen Bonus für nachweislich gesundheitsbewusst sich verhaltende Kunden, einen Bonus beispielsweise für Nichtraucher oder Einhaltung eines bestimmten Bodymass-Index.
Folgende sechs Tarife bleiben zu Beginn des nächsten Jahres unverändert, halten die Prämien also unverändert: der 1998 eingeführte Elementar-Tarif, also eine Vollkostenversicherung auf GKV-Niveau (ohne psychotherapeutische Leistungen); der Basistarif VA 100, also eine Vollkostenversicherung für Ärzte; eine Vollkostenversicherung für Ärztinnen und Ärzte im Praktikum (VAiP/II); der Tarif TV 42 (Krankentagegeldversicherung für Arbeitnehmer); die Ergänzungsversicherung für gesetzlich Krankenversicherte, eine Zusatzkrankenversicherung für die Wahlleistungen Chefarzt, Ein- und Zweibettzimmer normal – für Ärzte und für Ärztinnen und Ärzte im Praktikum.
Zum 1. Januar 2003 gibt es in zwei Tarifen Prämienerhöhungen: Der Vertrag „Vital“ (Vollkostenversicherung), der stärkste Neutarif mit hohen Wachstumsraten, wird um durchschnittlich neun Prozent teurer (die letzte Anpassung seit Einführung war 1999), und der Vollkostentarif für Ärzte (VA 100/2) wird um durchschnittlich acht Prozent erhöht, nachdem dieser Tarif die letzten drei Jahre stabil blieb. Die durchschnittlichen Tarifanpassungen bei AXA zum 1. Januar 2003 liegen mithin zwischen 4,5 und fünf Prozent. Der „Aktive Gesundheitsservice“ (AGS) mit direkter Einflussnahme auf das Versichertenverhalten erstreckt sich auf sechs Aktivitäten: Case-Management; Disease-Management; Hilfsmittel-Management; Telefonberatung mit dem Kooperationspartner Roland („medi-Service“); Cost Containment (teilweise Behandlung im Ausland und in Übersee, um die Schadenssumme zu mindern) und ein Rückentraining.
Ausdehnung auf weitere Krankheiten
Bei rund 2 000 Diabetikern des Typs 2 im Vollversicherungsbestand konnten 200 Kunden als Teilnehmer von Disease-Management-Programmen herausgefiltert und für strukturierte Schulungen gewonnen werden (begrenzt auf 30- bis 65-jährige Versicherte). In Kürze sollen weitere 300 Teilnehmer aus der Gruppe der AXA-Versicherten angesprochen werden. Ergebnis: Während im Gesamtbestand aller Diabetiker des Typs 2 die Versicherungsleistungen im Jahr 2001 um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr stiegen, verringerte sich die Summe bei den betreuten Diabetikern um 18,4 Prozent. Eine verbesserte Blutzuckereinstellung ging damit einher. Das Unternehmen führte für den Erfolg auch den Rückgang der leistungspflichtigen Krankentage um 35 Prozent und der Krankenhaustage um 20 Prozent an (bezogen auf die ausgewählten 200 AXA-Versicherten, die an DMP teilnehmen). Im ersten Quartal 2003 soll das Disease Management auf an Asthma Erkrankte erweitert werden. Ein Brustkrebs-Programm soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Im Case-Management-Programm sollen bestimmte Krankheitsbilder von Schwerstkranken gezielt angegangen werden. Bisher ist das Case-Management auf folgende Diagnoseschwerpunkte begrenzt: Schlaganfall, Hirnblutung und Schwerstunfälle. Bei 68 Fällen im Jahr 2001 wurden Einsparungen in Höhe von rund 310 000 Euro erzielt. Im ersten Halbjahr 2002 kamen 77 Fälle neu hinzu. Erwartete Einsparungen: 350 000 Euro, einschließlich der im Jahr 2001 begonnenen Betreuungen. Der Fallwert zulasten der Versicherung liegt heute durchschnittlich 20 Prozent unterhalb der Höhe früherer Jahre. Im vierten Quartal 2000 und im Jahr 2003 soll das Programm auf folgende Krankheitsbilder ausgedehnt werden: multiple Sklerose, bösartige Neubildungen im Gehirn, Morbus Parkinson, Hydrocephalus, Alzheimer, Alters-Demenz, Hepatitis und Leberzirrhose.
Zum positiven Gesamtergebnis trug auch die Begleitung von Kunden bei, die in den USA erkrankt waren und dort ärztlich und pflegerisch versorgt wurden. Einspareffekt: 557 000 Euro im Jahr 2001.
Überprüfung von Arztrechnungen
Bei einem Drittel der Vollversicherten wurden Erkrankungen der Wirbelsäule diagnostiziert. Im vergangenen Jahr haben sich mehr als 80 Prozent der betroffenen Versicherten in ambulante Behandlung begeben. Sie verursachten einschließlich stationärer Aufenthalte Kosten in Höhe von durchschnittlich 1 860 Euro je Person. In der Gruppe von Versicherten ohne Rückenprobleme lagen dagegen die durchschnittlichen Behandlungskosten bei 45 Prozent; absolut: 580 Euro je Person.
Zum Arsenal des Versicherten-Managements zählt der Vorstand auch künftig die bisher bereits praktizierte „beitragsstabilisierende Leistungsprüfung“. Danach werden Privatliquidationen ab einer bestimmten Rechnungshöhe systematisch und gesondert geprüft. Dies führte bisher zu Einsparungen von mehr als 3,3 Millionen Euro im Jahr durch Sonderprüfung von hohen Arztrechnungen. Insbesondere bei Krankenhaus-Chefärzten, die einen Betrag von mehr als 2 500 Euro liquidieren, erfolgt die Prüfung automatisch. 80 Prozent der eingereichten Rechnungen weisen Fehler auf. Die Firma räumt allerdings ein, dass es infolge der komplizierten GOÄ und GOZ zu Fehlinterpretationen kommen kann. Dr. rer. pol. Harald Clade
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