ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Orale Chemotherapie: Capecitabin auch nach Vorbehandlung effektiv

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Orale Chemotherapie: Capecitabin auch nach Vorbehandlung effektiv

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Obwohl Anthrazykline und Taxane bereits in den frühen Erkrankungsstadien des Mammakarzinoms eingesetzt werden, müssen etwa 40 Prozent der Patientinnen mit einem systemischen Rezidiv rechnen, das derzeit nur palliativ behandelt werden kann. Die Mehrheit der Frauen würde in dieser Situation – wenn möglich – eine oral applizierbare Chemotherapie bevorzugen, vorausgesetzt, dass die Wirksamkeit gegenüber einer intravenösen Therapie nicht verringert ist. Nach Studien, die beim Deutschen Krebskongress in Berlin vorgestellt wurden, bietet das oral applizierbare Fluoropyrimidin Capecitabin (Xeloda®) beim metastasierten Mammakarzinom eine solche Option.
Capecitabin wurde in drei Phase-II-Studien bei mit Taxanen vorbehandelten Patientinnen eingesetzt. In einer amerikanischen Studie mit 163 Patientinnen, die intensiv mit zwei bis drei Chemotherapieregimen vorbehandelt waren (Paclitaxel, Anthrazykline, 5-FU), konnte in 63 Prozent eine Krankheitskontrolle erzielt werden. Die objektive, bestätigte Remissionsrate lag bei 20 Prozent, bei 43 Prozent stabilisierte sich die Erkrankung. Bei 42 Patientinnen, die sowohl mit Paclitaxel als auch Doxorubicin vorbehandelt worden waren, lag die Remissionsrate sogar bei 29 Prozent.
In einer zweiten amerikanisch-französischen Studie wurde Capecitabin bei 75 Patientinnen nach Paclitaxel oder Docetaxel eingesetzt. Die Remissionsrate lag bei 26 Prozent, die mediane Zeit bis zur Progression bei 3,2 Monaten. In Deutschland wurde Capecitabin bei 136 Frauen mit stark vorbehandeltem Mammakarzinom in einer prospektiven Studie untersucht. Die Remissionsrate lag bei fünf Prozent, bei weiteren 46 Prozent der Patientinnen konnte eine Krankheitsstabilisierung erreicht werden. Die mediane Zeit bis zur Progression lag auch hier bei 3,3 Monaten. „Capecitabine weist die konsistenteste Effektivität bei Frauen mit Anthrazyklin und Taxan vorbehandeltem Mammakarzinom auf“, erklärte Dr. Gunter von Minckwitz vom Universitätsklinikum Frankfurt/Main.
Darüber hinaus wurde Xeloda in mehreren Studien als Monotherapie untersucht, auch im Vergleich mit anderen etablierten Therapieregimen wie Paclitaxel bei Anthrazyklin-vorbehandelten Patientinnen. Hier erwies sich die orale Chemotherapie hinsichtlich der Wirksamkeit als mindestens ebenbürtig. „Bei den Nebenwirkungen ergaben sich Unterschiede“, sagte Dr. Peter Reichardt (Charité, Berlin). Während Xeloda häufiger zu Nausea, Erbrechen, Diarrhö, Fatigue und vor allem dem Hand-Fuß-Syndrom führte, kam es unter Paclitaxel häufiger zu Myalgie, Parästhesien und Alopezie.
Unterschiede bei Nebenwirkungen
Erhebliche Unterschiede bestanden bei den hämatologischen Nebenwirkungen. Während Paclitaxel in mehr als 50 Prozent zu Neutropenie Grad 3 und 4 führte, wurde unter Xeloda nur in etwa zehn Prozent der Patientinnen eine Grad-3-Neutropenie beobachtet. Höhergradige Leukopenie oder Thrombopenie traten im Gegensatz zu Paclitaxel nicht auf.
Die Nebenwirkungen lassen sich unter Xeloda durch eine präzise Aufklärung der Patientinnen, eine sorgfältige Überwachung der Therapie sowie durch eine individuelle Anpassung der Dosierung deutlich minimieren: Einige Frauen benötigen nur die halbe Dosis von Capecitabin, weil sie im Karzinom bereits genügend 5-FU bilden. Untersuchungen belegten, dass die Wirksamkeit der Therapie durch eine Dosisanpassung nicht kompromittiert werde, sagte Reichert.
Aufgrund der hohen Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit und weitgehend fehlender Hämatotoxizität eignet sich Xeloda auch als Kombinationspartner für weitere wirksame Substanzen wie Docetaxel, Vinorelbine, Epirubicin und Cyclophosphamid. Hervorzuheben ist die gute Verträglichkeit der Kombination von Xeloda mit Vinorelbine. Es ergaben sich in ersten Studien bei vorbehandelten Patientinnen Ansprechraten um 50 Prozent bei sehr geringen Nebenwirkungen. zyl

Symposium „Überlebensvorteil durch orale Chemotherapie beim Mammakarzinom“ der Hoffmann-La Roche AG in Berlin
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