ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Mitarbeiterwechsel: Grund, die Praxisführung zu überdenken

VARIA: Praxisführung

Mitarbeiterwechsel: Grund, die Praxisführung zu überdenken

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): A-2502 / B-2154 / C-2000

Linke, Klaus

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LNSLNS Eine Kündigung sollte Anlass sein, sich Stärken und Schwächen des Unternehmens klar zu machen.

Die Kündigung einer Mitarbeiterin ist unangenehm und bringt Unruhe in die Praxis. Der Arzt kann jedoch einen Nutzen aus der Veränderung ziehen, indem er den Praxisalltag und -ablauf auf den Prüfstand stellt. So kann der Wechsel vielleicht sinnvolle Verbesserungen nach sich ziehen.
- Scheidet eine erfahrene Fachkraft aus, kann das ein Symptom für eine Schwachstelle der Praxis sein, die einem vielleicht bisher verborgen geblieben ist. In einem ausführlichen Gespräch mit der ausscheidenden Mitarbeiterin sollte der Arzt den Gründen für ihre Kündigung nachgehen. Vielleicht war sie mit der Praxisführung des „Chefs“ unzufrieden? Vielleicht mit den Arbeitsbedingungen und/oder ihrer Vergütung? Unter Umständen gab es Ärger mit den Kolleginnen.
- Das Ausscheiden einer Mitarbeiterin ist für das ganze Team eine Zäsur. Falls der Arzt dies nicht ohnehin regelmäßig tut, sollte spätestens jetzt ein Mitarbeitergespräch geführt werden. Jeder Arzt sollte das Ideenpotenzial seiner Angestellten nutzen, um herauszufinden, welche Strategie die Praxis zukunftsfest macht, und alle Möglichkeiten nutzen, um durch eine effiziente Ablauforganisation Kosten zu sparen.
- Der Praxisinhaber sollte nicht hektisch jemand Neues einstellen, sondern zuerst sorgfältig den Personalbestand überprüfen. Ist der Anteil der Personalkosten am Praxisumsatz zu hoch und muss „Ballast“ abgeworfen werden? Leistet er sich zum Beispiel den Luxus einer Personalreserve, um Fehlzeiten bei Krankheit oder Urlaub besser überbrükken zu können? Grob gilt: Wenn der Anteil der Personalkosten am Praxisumsatz 30 Prozent überschreitet, gibt es Handlungsbedarf. Der Arzt kann die Ausgabenstruktur der Praxis am Besten beurteilen, wenn er sie mit der ähnlicher Praxen vergleicht. Entsprechende Kennziffern enthält zum Beispiel die Kostenstrukturanalyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (www.zi-koeln.de). Mithilfe einer Kosten-Nutzen-Analyse lässt sich die Personalkostenstruktur aufschlüsseln, zum Beispiel in Bezug auf Zulagen, freiwillige Leistungen, Gehaltshöhe, aber auch Produktivität der Mitarbeiterinnen.
- Möglicherweise stehen Aufwand und Ertrag nicht in einem angemessenen Verhältnis. Man könnte auch daran denken, den Umfang der Praxistätigkeit zurückzufahren. Durchkalkulieren kann sich lohnen; vielleicht ist mehr Lebensqualität bei vermindertem Arbeitseinsatz für den Arzt finanzierbar.
- Ist es bei der Personalausstattung der Praxis ohne Qualitätsverluste möglich, eine Vollzeitkraft durch eine oder mehrere Teilzeitkräfte zu ersetzen? Oder schleppt der Arzt hohe Überstundenvergütungen mit, und es würde sich rechnen, eine Teilzeit- durch eine Vollzeitkraft zu ersetzen? Sind die Mitarbeiterinnen über- oder unterfordert? Der Praxisinhaber sollte jede Chance nutzen, Personalkosten mit einem flexiblen Personaleinsatz zu senken – zum Beispiel, in dem er sich für Spitzenzeiten um Helferinnen auf Abruf bemüht.
- Von welchem Anforderungsprofil geht der Arzt bei der Einstellung einer neuen Mitarbeiterin aus? Benötigt er eine erfahrene Fachkraft, die eine höhere Vergütung beansprucht, oder hat er genügend qualifiziertes Personal und könnte mit einer aufbaufähigen Berufsanfängerin starten? Der Praxisinhaber sollte seinen Mitarbeiterinnen die Möglichkeit geben, sich zu qualifizieren und weiterzubilden.
- Nur bei der Einstellung einer Mitarbeiterin ist der Unternehmer bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen flexibel. Nach Ablauf der Probezeit kommt er vielfach nicht mehr an Kompromissen vorbei. Bevor er also mit der Ausschreibung der Stelle für die Nachbesetzung startet, sollte er zukunftsorientiert planen, wohin der Weg der Praxis gehen soll. Im Arbeitsvertrag sollten die Arbeitsbedingungen dokumentiert und zum Beispiel für jeden Arbeitsplatz eine Tätigkeitsbeschreibung erstellt werden. Klaus Linke
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