ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Praktisches Jahr in Mexiko: Wer wagt, gewinnt . . .

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Praktisches Jahr in Mexiko: Wer wagt, gewinnt . . .

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): A-2512 / B-2144 / C-2008

Caffier, Philipp „Felipe“

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Im Bild rechts, der Autor „Felipe“ Caffier Foto: Philipp Caffier
Im Bild rechts, der Autor „Felipe“ Caffier
Foto: Philipp Caffier
Da praktische Aspekte in unserer Ausbildung zu kurz kommen, erschien mir ein chirurgisches Tertial im Ausland gewinnbringend. Um mein Uni-Spanisch zu verbessern, entschied ich mich für Mexiko. Trotz früher Vorbereitungen stand ich kurz vor Antritt des Tertials jedoch mit leeren Händen da. Ich entschied mich, einen Flug nach Mexiko-City zu buchen und mir auf eigene Faust vor Ort eine Stelle zu suchen. Im Falle eines Scheiterns ein teurer Spaß, aber ich hätte mir nicht vorzuwerfen brauchen, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Mexiko-City. Gleich am zweiten Tag suchte ich die große Autonome Nationaluniversität UNAM auf, um mich um einen Krankenhausplatz für mein Chirurgie-Tertial zu kümmern. Ich schilderte mein Anliegen, und man versprach, mir zu helfen. Nach einigem Hin und Her wurde mir tatsächlich eine PJ-Stelle in der Allgemeinchirurgie am renommierten Hospital General de México vermittelt. „Querer es poder“ – wenn man wirklich will, ist fast alles möglich!
Jeder Tag begann um 7 Uhr mit einem einstündigen Studentenunterricht. Anschließend Morgenvisite, danach Stationsarbeit. An drei Tagen die Woche wird in acht OP-Sälen operiert, vor allem Gallenblasen, Wurmfortsätze, Schilddrüsen, Leisten- und Nabelbrüche, Lipome, Hämorrhoiden, auch Nierentransplantationen. Außerdem findet täglich die Consulta externa statt, eine Art Sprechstunde und ambulante Behandlung postoperativer Patienten. Gegen Abend folgt die zweite Visite. Danach jeden dritten Tag „Guardia“ (Nachtdienst), auch an Wochenenden. Nach zwei bis vier Stunden Schlaf beginnt der nächste Tag wieder um 7 Uhr. So kam ich auf eine wöchentliche Arbeitszeit von rund 90 Stunden: ohne Bezahlung.
Meine mexikanischen Mitstudenten waren durchschnittlich 22 Jahre alt und im letzten Jahr des wie in Deutschland sechsjährigen Medizinstudiums. Die Residentes im letzten Jahr ihrer Facharztausbildung sind so alt wie ich und haben ein enormes Fachwissen und viel praktische Erfahrung.
Die Ausbildung erfolgt intensiv und praxisbezogen direkt am Krankenbett. Dabei findet unheimlich viel Lehre statt, einmal dauerte die Abendvisite fünfeinhalb Stunden! Doch der Stress hat sich gelohnt, der Lerneffekt war enorm. Zudem wurde in der dienstfreien Zeit meistens gefeiert. Auch in den OP-Sälen herrschte stets ein freundliches Arbeitsklima. Aber keine Angst, die mexikanischen Anästhesisten arbeiten nicht mit Tequila. Den Ärzten hier macht es sichtlich Spaß, jüngeren Kollegen etwas zu erklären und beizubringen. So habe ich viele interessante Operationen aktiv miterlebt, ich bekam große Hochachtung vor dem Können der mexikanischen Ärzte. Philipp „Felipe“Caffier

Langfassung im Internet:
www.aerzteblatt.de
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