ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Unfallversicherung: Löchriger Schutz

Versicherungen

Unfallversicherung: Löchriger Schutz

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): [82]

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LNSLNS Sie zahlen zwar keinen Cent aus eigener Tasche – und doch sind sie für den Fall eines schlimmen Unfalls abgesichert: Arbeitnehmer, Kinder, Jugendliche. Rechtlich verpflichtet, übernehmen Arbeitgeber und die öffentliche Hand die Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung. „Allerdings ist ihr Schutz sehr löchrig“, meint Dr. Ulrich Ott, Sprecher der DiBa – Allgemeine Deutsche Direktbank AG, Frankfurt/ Main. So passierten 70 Prozent der acht Millionen registrierten Unfälle in der Freizeit, in der die Pflichtabsicherung nichts bringe.
Die gesetzlichen Unfallversicherer, die Berufsgenossenschaften und die öffentlichen Träger zahlen nur bei Unfällen am Arbeitsplatz, auf dem direkten Weg zur Arbeit und zurück, für Heranwachsende in der Schule und im Kindergarten sowie auf deren Hin- und Rückweg. Selbst in diesem eng begrenzten Bereich gibt es viele Ausschlüsse: Erleiden Arbeitnehmer beim Mittagessen in der Kantine einen Unfall, sind sie nicht versichert. Wer auf dem Weg von seiner Wohnung zur Arbeit ohne Not einen Umweg fährt, ist auf dem ganzen Weg ohne Unfallschutz.
Ist ein Arbeits- oder Wegeunfall einmal anerkannt, zeigen sich die privaten Unfallversicherungen großzügiger als andere Sozialversicherungen. Bei Behandlungen werden alle Mittel ohne Zuzahlung des Opfers bezahlt, die „geeignet“ sind, die Heilung herbeizuführen. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt dagegen nur „Notwendiges“ – oft mit Eigenbeitrag des Patienten. Wer sechs Wochen nach dem Unfall noch arbeitsunfähig ist, erhält bis zu 78 Wochen 80 Prozent des letzten Bruttolohns, reduziert um Arbeitslosen- und Rentenbeitrag. Mehr als den Nettolohn gibt es aber nicht.
Bleibt die Erwerbsfähigkeit gemindert, so erhält der Verletzte eine Unfallrente. Sie ist in der Regel höher als die Ansprüche aus der gesetzlichen Rente. Bei voller Erwerbsminderung beläuft sich die Unfallrente auf zwei Drittel des Jahresarbeitsverdienstes vor dem Unfall. Bei einem Vorjahresbruttoverdienst von 36 000 Euro beträgt die Rente also 2 000 Euro pro Monat. Stirbt das Opfer, erhalten die Hinterbliebenen Renten – für Kinder erziehende Ehepartner 40 Prozent des Jahresarbeitsverdienstes des Verunglückten.
Erleiden Kinder einen Unfall in der Schule oder im Kindergarten, erhalten sie zwar auch eine Unfallrente – diese fällt aber gering aus. Bei unter Sechsjährigen beträgt diese im Fall von Vollinvalidität rund 380 Euro, ab sechs Jahre sind es knapp 500 Euro. Deshalb raten Verbraucherschutzverbände, wie die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände oder die Stiftung Warentest, vor allem für Kinder, Jugendliche und Hausfrauen zusätzlich eine private Unfallversicherung abzuschließen. WZ
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