ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002Baufinanzierung: Versicherungshypothek als Alternative

Versicherungen

Baufinanzierung: Versicherungshypothek als Alternative

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): [83]

Combach, Rolf

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LNSLNS Mit Baugeld von den Lebensversicherungsunternehmen werden immer mehr Häuser und Wohnungen finanziert. Früher finanzierten die Versicherungen den Wohnungsbau, um das Geld ihrer Kunden anzulegen. Heute finanzieren sie Eigenheime, Eigentumswohnungen und Ferienwohnun-gen, um Geschäfte zu machen.
Die Lebensversicherungen sind als Finanzierer am privaten Bau zu ernsthaften Konkurrenten von Banken und Sparkassen geworden; mittlerweile kommt jede zehnte Baumark von den Lebensversicherern. Dabei hat die Assekuranz einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Hypothekenbanken: Während die Banken sich über hochverzinsliche Papiere refinanzieren müssen, können die Lebensversicherer aus dem Topf der Beitragseingänge ihrer Kunden schöpfen. Folge: Die Kreditzinsen der Versicherer sind immer einen Tick besser als die Banken-Konkurrenz.
Wie funktioniert die Kreditaufnahme über eine Lebensversicherung? Der Bauherr schließt eine gemischte Lebensversicherung auf den Todes- und Erlebensfall über eine bestimmte Vertragssumme ab und erhält ein Hypothekendarlehen in gleicher Höhe. Bei Ablauf des Vertrages wird die Versicherungssumme fällig und das daran gekoppelte Darlehen wird automatisch auf einen Schlag abgelöst. Ein Beispiel: Wer ein Hypothekendarlehen über 100 000 Euro aufnimmt, schließt über die gleiche Summe eine Lebensversicherung ab. Zum Vertragsende, etwa in 25 Jahren, sind daraus einschließlich Gewinnanteil mehr als das Doppelte – in diesem Fall 200 000 Euro – geworden. Die Schulden auf das Haus werden automatisch zurückgezahlt, und der Bauherr verfügt über zusätzliche 100 000 Euro.
Eine Versicherungshypothek wird also nicht getilgt, sondern bei Fälligkeit abgelöst. Allerdings wird statt der Tilgung die jährliche Prämie an die Lebensversicherung fällig. Doch auch der Preis für die Prämie ist kein verlorenes Geld, denn der Bauherr genießt durch die Versicherungshypothek eine Reihe von Vorteilen:
-  Da die Lebensversicherung auch bei vorzeitigem Tod des Versicherten fällig wird, steht das Geld für die Hypothekentilgung ebenfalls zur Verfügung. Dies ist wichtig, wenn der Bauherr Alleinverdiener in der Familie ist.
-  Bei Tod oder Ablauf der Versicherung sind die Versicherungssumme und die Gewinnanteile einkommensteuerfrei. Das Geld verdoppelt sich nach Auskunft der Branche nach rund 25 Jahren.
-  Während die Rückzahlungen einer normalen Tilgungshypothek grundsätzlich nicht steuerlich abzugsfähig sind, können die Beiträge zur Lebensversicherung im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden. Für Bauherren, die ihre Vorsorgeaufwendungen noch nicht voll ausgeschöpft haben, bedeutet dies eine zusätzliche Steuerersparnis.
Die Aussage von Kritikern, dass für das Wohneigentum die Tilgung einer Festhypothek über eine Lebensversicherung nicht mehr attraktiv sei, gilt nicht, wenn man eine günstige Lebensversicherungsvertragsform und einen „billigen“ Lebensversicherer wählt. Rolf Combach
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