ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2002zu Insidern: Schön blöd

VARIA: Schlusspunkt

zu Insidern: Schön blöd

Dtsch Arztebl 2002; 99(38): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Sascha Alfred Opel war vor kurzer Zeit noch ein gefragter Mann. Als Berater zweier Fonds kam der einstige stellvertretende Chefredakteur des Magazins „Der Aktionär“ auf eine wunderbare Geldvermehrungsmasche. Er kaufte einfach Aktien privat vor und empfahl die Titel dann in seiner Beratereigenschaft dem Fondsmanagement wärmstens zum Einstieg.
So geschehen, versilberte der schnelle Opel die Papierchen wieder und saß so flugs auf einem Haufen Geld. Eine dermaßen prachtvolle Idee drängte nach Wiederholung, bis eben der Krug den Brunnen nicht mehr erreichte. Die Quittung folgte mit einem Jahr Bewährung und dem Einzug des erschlichenen Gewinns auf dem Fuße.
Der Mann hat seine Strafe durchaus verdient, damit wir uns bloß richtig verstehen. Ob er nun als Börseninsider oder einfacher Betrüger abgeurteilt wird, ist eher nebensächlich. Aber: Gemessen an der Zahl der tatsächlichen und vermutlich enormen Insidertatbestände und der korrespondierenden lächerlichen Zahl an Verurteilungen, lässt sich für die, die der Justiz nicht entkommen sind, lediglich vermuten, dass sie einfach zu blöd vorgegangen sind.
Selbst schuld, ist der vorurteilsbehaftete Mensch geneigt auszurufen. Mag schon sein. Auf der anderen Seite werden aufgrund der für Deutschland typischen Überkreuzverflechtungen, bei denen Aufsichtsräte und Vorstände sich in vielen Unternehmen gegenseitig kontrollieren und damit natürlich auch im Vorfeld Insiderwissen mitbekommen und vermutlich auch ausnutzen, keinerlei juristische Sanktionen eingeleitet.
Das ist schlicht deswegen so, weil kein Richter je richten kann, wo ein Kläger niemals dahinterkommt. Ob diese Form der Deutschland AG, wo der Wettbewerb oft genug auf der Strecke bleibt, volkswirtschaftlich eher nützt als schadet ist freilich eine ganz andere Sache.
Bei der Gelegenheit will ich auch ein paar Worte an die richten, die quasi vom Bodensatz möglichen Insiderwissens profitieren wollen. Gerade Börsenbriefe und Informationsblättchen, möglichst mit dem Zusatz „vertraulich“ oder „nicht weitergeben“, haben für manchen einen magischen Hauch, dass sie eben mehr wüssten als andere.
Wie schön auch, dass diese Autoren mit ihren goldwerten Informationen nicht hinterm Berg halten, sondern für ganz wenig Abogebühren jedermann gerne beliefern.
Das ist natürlich alles Quatsch. Seien Sie versichert, dass ein wirklicher Insider niemals eine Börsenpostille herausgäbe. Schlimmstenfalls kann Ihnen passieren, dass, wenn Sie den heißen Supertipp „brandaktuell“ und „vertraulich“ lesen, ein anderer längst vorgekauft hat. Bestenfalls werden Sie einfach für dumm verkauft. So oder so ist das blöd.
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