ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Arzneimittel: Streit über steigende Ausgaben

POLITIK

Arzneimittel: Streit über steigende Ausgaben

Lenze, Susanne

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LNSLNS EMNID-Umfrage: Das Gesundheitswesen bekommt keine guten Noten.

Gesetzlich Versicherte hatten die Möglichkeit, Schulnoten für das Gesundheitssystem zu vergeben. Mit der Verteilung guter Zensuren waren sie bescheiden. Nur etwa 37 Prozent beurteilten das Gesundheitswesen mit den Noten „sehr gut“ oder „gut“. 69 Prozent meinten, dass es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin gebe.
Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid hevor, das im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) 1 932 Bundesbürger über 18 Jahre zu den Themen Gesundheitspolitik und Arzneimittelversorgung befragte. Aufschlussreich: Eine Lösung der Probleme wird weder der Regierung noch der Opposition zugetraut.
Unterversorgung als „Patientenalltag“
Die Umfrage zeige, dass Einschränkungen in der Arzneimittelversorgung weiterhin zum Patientenalltag gehören, sagte Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des VFA, auf einer Pressekonferenz in Berlin. Die Ablösung der Arzneimittelbudgets durch regionale Zielvereinbarungen habe das Problem der Unterversorgung nicht ausräumen können. So berichteten 31 Prozent der Befragten von eigenen Erfahrungen, in denen sie gesundheitliche Nachteile in der Versorgung mit Arzneimitteln sehen: Die Verschreibung eines Medikaments sei abgelehnt worden. Aus Sicht des VFA ist diese Form der Unterversorgung mit Arzneimitteln inzwischen Patientenalltag.
Anderer Auffassung ist der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK), der in Berlin die Entwicklungen im Arzneimittelbereich für die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung im Jahr 2001 kritisierte. „Der auch 2002 kaum gebremste Anstieg der Arzneimittelausgaben birgt genug Sprengstoff, um die Finanzen der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung aus der Bahn zu werfen“, befand Wolfgang Schmeinck, Vorstandsvorsitzender des BKK-Bundesverbandes. Der Anstieg im ersten Halbjahr 2002 von „nur“ 3,9 Prozent pro Mitglied sei ausschließlich auf eine
Gesetzesmaßnahme, das so genannte Sparpaket, zurückzuführen. Die Kostendämpfung wirke jedoch lediglich als einmaliger Sockeleffekt im Jahre 2002.
BKK: Die Ärzte sind in der Verantwortung
Schmeinck forderte strukturelle Änderungen, die über den Tag hinaus wirken. „Die Ärzte sind in der Verantwortung, durch ihr Verschreibungsverhalten die Arzneimittelausgaben auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen“, sagte er. Das von den Kassenärztlichen Vereinigungen vorgebrachte Argument, für eine Ausgabensteuerung in der Arzneimittelversorgung fehlten die notwendigen Daten von den Krankenkassen, könne nicht mehr gelten, meinte der Vorsitzende des BKK-Bundesverbandes.
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, sieht dies anders: „Die Kassen suchen nach Schuldigen dafür, dass sie mit ihrem Geld nicht mehr auskommen.“ Dass die Patienten mehr Arzneimittel gebraucht haben, komme den Krankenkassen gerade recht. Die Ausgaben für Medikamente seien im ersten Halbjahr 2002 nur moderat gestiegen, meinte Richter-Reichhelm. Sie stünden bei den Ausgabensteigerungen in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung erst an sechster Stelle. Wenn nun die Beitragssätze angehoben würden, dann sei das schon lange vorbereitet. Susanne Lenze
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