ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Wiedereinsteigerseminar: Die stille Reserve mobilisieren

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Wiedereinsteigerseminar: Die stille Reserve mobilisieren

Flintrop, Jens

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Für junge Ärztinnen ist es schwierig, Beruf und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren. Foto: BilderBox
Für junge Ärztinnen ist es schwierig, Beruf und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren. Foto: BilderBox
Nach einer beruflichen Auszeit, zum Beispiel wegen Elternzeit, wird Ärztinnen und Ärzten in Westfalen-Lippe jetzt die Rückkehr in den klinischen Alltag erleichtert.

Das medizinische Wissen verdoppelt sich alle fünf Jahre. Permanente Fortschritte in Diagnostik, Therapie und Medizintechnik bilden sich in der unmittelbaren Patientenversorgung ab und erfordern eine stete Neubestimmung ärztlichen Handelns. Wer mit der rasanten Entwicklung Schritt halten und den Anschluss nicht verlieren will, muss sich fortbilden. Das gilt umso mehr nach einer beruflichen Auszeit – sei es nach einer Familienpause, einer beruflichen Neuorientierung oder einer Phase der Arbeitslosigkeit. Um derzeit nichtberufstätigen Ärztinnen und Ärzten die Rückkehr in den klinischen Alltag zu erleichtern, hat die Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe ein Wiedereinsteigerseminar konzipiert.
Unter dem Thema „Was gibt es Neues in der Medizin?“ vermitteln praxiserfahrene Referenten vom 2. bis 11. Dezember im Ärztehaus Münster in konzentrierter Form den aktuellen Wissensstand und die gängigen Verfahren zentraler ärztlicher Fachgebiete. Konkrete Krankheitsbilder werden angesprochen, Fallbeispiele diskutiert, aktive ärztliche Handlungskompetenz – etwa in der Notfallmedizin – aufgefrischt. Abgerundet wird das Wiedereinsteigerseminar durch ein Bewerbungs- und Vorstellungstraining. Zudem hat jeder Kursteilnehmer die Option, die erworbenen theoretischen Kenntnisse in den Krankenhäusern und Praxen der Referenten im Rahmen einer einwöchigen Hospitation zu vertiefen.
„Wir wollen den Ärzten die Sicherheit geben, beim Wiedereinstieg fachlich auf der Höhe der Zeit zu sein“, sagt der Bielefelder Thoraxchirurg Dr. Theodor Windhorst, der das Seminar zusammen mit Dr. Eugen Engels, Allgemeinarzt in Eslohe, leitet. Profitieren würden aber auch die späteren Arbeitgeber, die sich darauf verlassen könnten, dass die neuen Angestellten schnell einsatzbereit seien.
„Mit diesem Fortbildungsangebot möchten wir natürlich in erster Linie Ärztinnen motivieren, wieder ins Arbeitsleben einzusteigen“, betont Engels. Es seien nach wie vor überwiegend Frauen, die den Spagat zwischen Kindern und Karriere meistern müssen und nach einer Familienpause speziell auf ihre Situation zugeschnittene Berufsmöglichkeiten suchen. Insoweit müsse sich auch bei den Arbeitgebern noch einiges in Richtung auf familienfreundlichere Arbeitsbedingungen bewegen. Neben Angeboten für eine Kinderbetreuung – für die im Übrigen während des Wiedereinsteigerseminars gesorgt ist – zählten hierzu vor allen Dingen auch flexiblere Arbeitszeitmodelle und vermehrte Teilzeitangebote.
Windhorst, der als Vorstandsmitglied der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung berufspolitisch engagiert ist, verweist auf die aktuelle Lage auf dem klinischen Arbeitsmarkt. Diese biete gerade auch Berufsrückkehrern gute Chancen, die sie nutzen sollten. Aus Sicht der ärztlichen Selbstverwaltung sei es wichtig, bundesweit möglichst viele derzeit nicht berufstätige Ärztinnen und Ärzte zum Wiedereinstieg zu motivieren. Windhorst: „In Zeiten des Ärztemangels müssen wir diese stille Reserve mobilisieren.“ Die flächendeckende medizinische Versorgung sei bereits heute in einigen Regionen, speziell in den neuen Bundesländern, gefährdet.
Jens Flintrop
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