ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Bewerbung an das Deutsche Ärzteblatt

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Bewerbung an das Deutsche Ärzteblatt

Dtsch Arztebl 2002; 99(39): A-2526 / B-2155 / C-2019

Böhmeke, Thomas

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Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, um es vorneweg klarzustellen: Ich glaube weder an die Existenz von Marsmenschen noch deren Anfälligkeit für irdische Viren, Bakterien oder Pilze. Würde aber ein solcher Ihr geschätztes Wochenblatt zur Hand nehmen, so bekäme er den Eindruck einer wohlgeordneten Welt: klare Diktion der wissenschaftlichen Artikel, präzise Punktion der Redaktion, übersichtlicher Aufbau. Legt er aber das Heft beiseite und reiht sich inkognito in die Warteschlangen der Arztpraxen und Krankenhäuser ein, so begegnet ihm ein Alphabet von Unzulänglichkeiten, die auch Ulla Schmidt zur Verzweiflung bringen. Von A wie Arzneimittelbudget über F wie Fehlbelegung bis Z wie Zwischenfall. Einen Vorteil hätte das Ganze, die Marsianer würden sofort davon Abstand nehmen, unseren eh schon übervölkerten Planeten zu besiedeln.
Ich möchte mich deshalb bei Ihnen bewerben, um diese offenkundige Lücke zu schließen, die nicht selten zwischen Anspruch und Wirklichkeit
(also Ärzteblatt und Wartelisten) klafft – quasi die Zustandsbeschreibung der heutigen Medizin aus der Perspektive des Rezeptblocks. Damit Sie sicher sind, dass Sie sich auf keinen Marsianer einlassen, anbei mein Lebenslauf:
Geboren am Höhepunkt des Pillenknicks, als der Arztberuf noch hoch auf dem Siegertreppchen der sozialen Achtung stand. Schulausbildung strikt im Hinblick auf Einser und Zweier unter Vermeidung arbeitsintensiver Fächer. Wurde von der Bundeswehr verschmäht, daher längere Wartezeit vor den öffentlichen Hochschulen. Ich weiß nicht mehr, wo ich studiert habe, weil ich mir von morgens bis abends pausenlos Lehrbücher in den Schädel gepfropft habe. In der klinischen Ausbildung habe ich die ganze Palette vom Belegkrankenhaus bis zur Universitätsklinik durchgemacht. Von Letzterer ausgespuckt in die Niederungen des Niedergelassenendaseins, zu einer Zeit, als die Krankenhäuser noch über jede Menge frischen Assistenzarztblutes verfügten. Und inmitten des alltäglichen Wahnsinns unseres Medizinsystems wünschte ich mir mitunter, auf dem Mars weitermachen zu dürfen.
Dr. med. Thomas Böhmeke
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