ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Zur Sicherheit von COX-2-Inhibitoren: Widerspruch

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Zur Sicherheit von COX-2-Inhibitoren: Widerspruch

Dtsch Arztebl 2002; 99(39): A-2536 / B-2166 / C-2029

Simon, B.; Müller, P.

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LNSLNS 1. Endoskopisch kontrollierte Akutstudien (8 bis 14 Tage) haben eine signifikant bessere gastro-intestinale Verträglichkeit von Rofecoxib und Celecoxib gegenüber verschiedenen herkömmlichen Antirheumatika (z. B. Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Nabumeton etc.) gezeigt. Selbst vielfach höhere als therapeutisch eingesetzte Dosen führten gegenüber Placebo anders als klassische NSAR zur keiner Zunahme endoskopisch nachweisbarer Läsionen am oberen Gastrointestinaltrakt.
2. Endoskopisch kontrollierte Langzeitstudien (drei Monate und mehr) bei Rheuma- und Arthrosepatienten haben die gastrointestinale Überlegenheit beider COX-2-Hemmer gegenüber Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen etc. bestätigt. Die Ulkusfrequenzrate lag unter Coxiben auf Placeboniveau.
3. Die eingesetzten Dosen der Vergleichs-NSAR waren üblich, sie entsprachen der für die Behandlung der OA und RA zugelassenen.
4. In zwei prospektiv angelegten Doppelblindstudien an jeweils mehr als
8 000 Patienten (sog. CLASS-Studie, sog. VIGOR-Studie) konnte die Zahl schwerwiegender gastrointestinaler Komplikationen, nebst symptomatischer Ulzera unter Coxiben gegenüber Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Diese Überlegenheit war nachweisbar, obwohl beide Coxibe in supratherapeutischen Dosen über längere Zeit eingesetzt worden waren. In der sog. CLASS-Studie war allerdings die Rate der Ulkuskomplikationen nach 12 Monaten zwischen Celecoxib und Diclofenac nicht mehr signifikant unterschiedlich. Fairerweise muss man dabei erwähnen, dass durch die hohe Drop-out-Rate (40 % und mehr) eine stichhaltige statistische Analyse nicht mehr durchgeführt werden konnte.
Im Klartext heißt dies, dass die Zahl der täglichen stationären Aufnahmen wegen einer NSAR-induzierten oberen gastrointestinalen Blutung von ca. 80 bis 100 auf 40 bis 50 gesenkt werden kann.
5. Die Aussage, eine COX-2-Hemmung würde bei Patienten, die eine gleichzeitige ASS-Therapie benötigen, nichts bringen, ist voreilig: Erste Analysen der sog. SUCCESS-I-Studie weisen darauf hin, dass der gastrointestinale Schädigungsscore von Naproxen/Diclofenac/ASS signifikant höher liegt als der von Celecoxib/ASS.
6. Weder in der CLASS-Studie noch in den anderen Vergleichsstudien ist ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko von Celecoxib beschrieben worden! Die Autoren sitzen hier offensichtlich einem Irrtum auf. Allerdings wurden unter 50 mg Rofecoxib eine gegenüber 2 × 500 mg Naproxen erhöhte kardiovaskuläre Komplikationsrate in der sog. VIGOR-Studie gesehen. In dieser Studie war die gleichzeitige Einnahme von „low-dose“ ASS nicht erlaubt. Das bessere Abschneiden von Naproxen könnte durch dessen thrombozytenaggregationshemmende Eigenschaften erklärt werden.
Es soll abschließend nicht unerwähnt bleiben, dass COX-2-Hemmer auch deutlich weniger Begleitsymptome wie Magendruck, Sodbrennen etc. verursachen als andere Antirheumatika. Für die Compliance der Patienten ist dies von erheblicher praktischer Bedeutung . . .
Die Datenlage ist u. E. so eindeutig, dass von einem echten Durchbruch auf dem Gebiet der gastrointestinalen Sicherheit für selektive COX-2-Hemmer ausgegangen werden kann. Wir befinden uns mit unserer Meinung im Konsens mit der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, aber auch dem British National Institute for Clinical Education (NICE). . .
Prof. Dr. med. B. Simon, Kreiskrankenhaus,
Bodelschwinghstraße 10, 68705 Schwetzingen,
Prof. P. Müller, Krankenhaus Salem, Zeppelinstraße 11, 69121 Heidelberg
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