ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Gesundheitsdienst: Schwer umsetzbare Zielsetzung
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LNSLNS . . . Es bleibt abzuwarten, ob vom Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Public Health“ sinnhafte Impulse für den ÖGD ausgehen (werden). Andererseits sollten die Vorschläge der Kommunalen Gemeinschaftsstelle Köln (KGSt) von 1998 zur Reform des ÖGD nicht unterschätzt werden. Im Klartext laufen sie auf eine radikale Infragestellung des bisherigen Aufgabenspektrums des ÖGD hinaus. Betont wird insbesondere, dass sich der ÖGD an prioritären Gesundheitsproblemen der Kommune auszurichten habe und die Fach- und Ressourcenverantwortung übernehmen solle. Letzteres bedeutet, dass die kommunale Gesundheitsfachverwaltung vor dem Hintergrund politischer Zielsetzungen und ausgehandelter Budgets die Steuerung aller steuerfinanzierten präventiven, kurativen und rehabilitativen Leistungen übernehmen soll. Das Gesundheitsamt Bremen hat bereits im Bereich der Versorgung seelisch Kranker die ursprünglich beim Sozialhilfeträger angesiedelte Verantwortung der inhaltlichen und ökonomischen Steuerung übernommen. Des Weiteren laufen Überlegungen, Ähnliches für den Sektor Krankenhilfe zu entwickeln. Die teilweise mit diesem Prozess verbundene Ausgliederung von Leistungen (z. B. des Sozialpsychiatrischen Dienstes) sollte nicht im Sinne von Verlust beklagt, sondern eher als konsequenter Übergang zur operativen Gestaltungsverantwortung interpretiert werden.
Grunow und Trojan haben Recht: Der ÖGD ist alles andere als homogen; ein Vergleich von Gesundheitsämtern innerhalb der Bundesrepublik kommt dem von Äpfeln und Birnen gleich. Dennoch: In einer (überholten?) Zielrichtung scheinen sich die Amtsärzte einig zu sein: Sie wollen an den personen- und gruppenbezogenen Dienstleistungen festhalten, obwohl doch gerade in diesem Sektor Kassenärztliche Vereinigungen und andere Leistungserbringer Sicherstellungsaufträge für sich geltend machen und diese durch intensive Kooperation mit dem ÖGD realisiert werden müssten. Es ist zu befürchten, dass der ÖGD, sich institutionell abgrenzend, bei seinem traditionellen Aufgabenspektrum bleibt und den umfassenden Auftrag eines Public-Health-Managements im Sinne des Artikels 28 Grundgesetz nicht erfüllen wird.
Die von den Autoren gegebene Empfehlung, in Zukunft „viele konkret verbleibende Aufgaben unter den Leitideen der Gesund­heits­förder­ung und des Verbraucherschutzes zu gruppieren“, wird auch nicht sonderlich helfen. Sie wird abstrakt in den Raum gestellt, ähnlich wie die Forderung nach mehr Gesundheitsplanung, Gesundheitsverträglichkeitsprüfung und Gesundheitsberichterstattung. Wie schwer derartige Zielsetzungen umzusetzen sind, zeigt exemplarisch das Feld Gesundheitsberichterstattung (GBE). Es bleibt zu hoffen, dass es der GBE gelingt, substanziell entscheidungs- und handlungsrelevante Ergebnisse (Daten für Taten!) der Verwaltungsspitze und der Politik auf den Tisch zu legen. Dazu bedarf es allerdings der entsprechenden Qualifikation und der Ressourcen – Voraussetzungen, die eigentlich nur noch große Gesundheitsämter erfüllen . . .
Dr. H.-Jochen Zenker, MPH, Gesundheitsamt Bremen,
Horner Straße 60–70, 28203 Bremen
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