ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Aut idem: Missverständnisse ausräumen

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Aut idem: Missverständnisse ausräumen

Dtsch Arztebl 2002; 99(39): A-2543 / B-2172 / C-2035

Kaesbach, Wolfgang

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LNSLNS 1. Mit der Aut-idem-Regelung sollen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversi-cherung für Arzneimittel gesenkt werden. Es handelt sich demnach nicht um die Ersetzung durch „preiswerte“ Arzneimittel auf der Grundlage einer Nutzen-Kosten-Abwägung, sondern durch preisgünstige Arzneimittel unter Kostengesichtspunkten.
2. Die „unteren Preisdrittellinien“ werden nicht durch den BKK Bundesverband festgelegt, sondern die oberen Preislinien des unteren Preisdrittels sind das rechnerische Ergebnis der gesetzlichen Vorgaben nach § 129 Abs. 1 Satz 3 und 4 SGB V und werden von den Spitzenverbänden der Krankenkassen bekannt gemacht. Dass der Inhalt der Bekanntmachung auf der Website des BKK Bundesverbandes veröffentlicht wurde, entspricht dem Votum des Bundesministeriums für Gesundheit in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Justiz.
3. Der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen hat weder „knapp 300 Gruppen verabschiedet“, noch sind diese „im Internet über www.bkk.de/service/ abrufbar“. Der Bundes­aus­schuss hat am 13. Mai 2002 insgesamt 170 wirkstoffbezogene Gruppen austauschbarer Darreichungsformen beschlossen und im Bundesanzeiger Nr. 103 vom 8. Juni 2002 veröffentlicht.
4. Ob bei Arzneimitteln wie Zytostatika, Antiepileptika oder Emulsionen mit topi-schem Wirkort „eine ausgeprägte Differenzierung nach Darreichungsform erfolgt“ oder ob bei Phytotherapeutika die „Besonderheiten der einzelnen Zubereitungen zu berücksichtigen sind“, hat der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen bisher noch nicht entschieden.
5. Reimporte fallen ebenfalls unter die Aut-idem-Regelung und werden bei der Berechnung der Preisdrittellinien berücksichtigt, wenn zu einem Originalpräparat neben importierten Arzneimitteln auch noch Generika verfügbar sind. Dies hat die Bundesregierung in der Bundestags-Drucksache 14/8438 klargestellt.
6. Die KBV kann die Behauptung, dass Apotheker bei Arzneistoffen, für die die Voraussetzungen nach § 129 Abs. 1 und Abs. 1a SGB V noch nicht vorliegen, „die Übergangsregelung bis dato nicht umsetzen“, nicht belegen, weil sie nicht über die Abrechnungsunterlagen der Apotheken verfügt.
7. Die Apotheken stehen nicht „hinsichtlich der Erfüllung des gesetzlichen Auftrages unter der Aufsicht der Krankenkassen“. Aufgabe der leistungspflichtigen Krankenkasse ist die Prüfung der Abrechnung auf sachlich-rechnerische Richtigkeit.
8. Wer erst durch die Aut-idem-Regelung „möglicherweise“ herausgefordert wird, „sich intensiver mit der Pharmakologie eines Präparats auseinander zu setzen“, sollte nicht länger den Anspruch auf Therapiehoheit erheben. Wer erst in der Aut-idem-Regelung eine Hilfe sieht, „ohne Einschränkungen in der medikamentösen Therapie wirtschaftlich zu verordnen“, scheint bisher weder das Wirtschaftlichkeitsgebot nach § 12 SGB V noch die Arzneimittel-Richtlinien in der geltenden Fassung vom 31. August 1993 gebührend beachtet zu haben. Gesetzliche Maßnahmen zur Kostendämpfung sind nämlich die konsequente Folge einer sträflich vernachlässigten rationalen und preisbewussten Arzneimittelverordnung.
Wolfgang Kaesbach, BKK Bundesverband, Kronprinzenstraße 6, 45128 Essen
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