ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2002Depression/Angst: Johanniskraut und Baldrian kombinieren

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Depression/Angst: Johanniskraut und Baldrian kombinieren

Dtsch Arztebl 2002; 99(39): A-2568 / B-2082 / C-2056

Blaeser-Kiel, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Daten zur Häufigkeit und Ausprägung von Depressionen und Angstzuständen beziehen sich vorwiegend auf Patienten, deren psychisches Befinden bereits aus ärztlicher Sicht beurteilt wurde. Auf dieser Basis Rückschlüsse auf die Allgemeinbevölkerung zu ziehen könne jedoch in die Irre führen, betonte Dr. Maike
Bestehorn (München). Die Gesundheitsforscherin bezog sich dabei auf das Ergebnis einer repräsentativen Erhebung, die das Meinungsforschungsinstitut EMNID bei 2 224 Personen durchführte.
Danach leidet etwa jeder vierte Bundesbürger im Alter zwischen 14 und 65 Jahren unter mäßigen bis schweren Verstimmungszuständen und Angstgefühlen. Bisher ging man von einer Häufigkeit von nur sechs bis zwölf Prozent aus. Anlass der Besorgnis ist die Tatsache, dass sich nur rund ein Viertel derjenigen, die sich als psychisch beeinträchtigt bekannt hatten, deswegen in ärztlicher Behandlung befand. In der Mehrzahl der Fälle (59 Prozent) war ihnen ein Phytotherapeutikum, wie vor allem Johanniskrautextrakt, verordnet worden.
Auch Prof. Walter Müller (Frankfurt/Main) hält Johanniskraut mit seinem wirkrelevanten Inhaltsstoff Hyperforin für eine gute therapeutische Möglichkeit. Denn es werde – wie bei den chemisch definierten Antidepressiva – sowohl die serotonerge als auch die noradrenerge Neurotransmission beeinflusst. Darüber hinaus greife Hyperforin in die synaptische Kommunikation der Gamma-Amino-Buttersäure ein.
Daher sei es nicht überraschend, dass Johanniskrautextrakt bei depressiven Patienten mit komorbider Angst nicht nur gute Effekte auf die depressive, sondern auch auf die ängstliche Symptomatik zeige. Die Wirkung von Johanniskrautextrakten setzt wie bei anderen Antidepressiva verzögert ein. Zur Überbrückung des kritischen Zeitraums bietet sich die Kombination mit hochdosiertem Baldrianextrakt an, der rasch eine angstlösende und entspannende Wirkung entfaltet.
Dass sich mit diesem Konzept eine vorzeitige Entlastung der Patienten erreichen lässt, wird durch die Daten einer kürzlich abgeschlossenen offenen Therapiestudie
(n = 2 462) unter Praxisbedingungen bestätigt. Wie Prof. Michael Habs (Karlsruhe) berichtete, führte die gemeinsame Einnahme von täglich
1 000 mg Baldrianextrakt (Euvegal®) plus 600 mg Johanniskrautextrakt (Neuroplant®) zu einer – im Vergleich zu in kontrollierten Studien mit Johanniskrautextrakt beobachteten – rascheren Abnahme von mittelgradig ausgeprägten depressiven Verstimmungen und Angst-/Unruhezuständen. Gabriele Blaeser-Kiel

Pressekonferenz „Depressionen und Angstgefühle mit pflanzlichen Arzneimitteln behandeln“ der Firma Dr. Willmar Schwabe in Hamburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema