VARIA: Post scriptum

Opernlaster

Dtsch Arztebl 2002; 99(39): [80]

Pfleger, Helmut

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Beim letzten Ärzteschachturnier schlug sich das Damenterzett aus Dr. med. Uta Recknagel, Dr. med. Bergit Brendel und Dr. med. Tena Frank im Meer von lauter Männern zwar sehr gut, dennoch nicht in jedem Augenblick gemäß der Devise, dass „Schach das ganze Leben ist“ (Bobby Fischer).
Du sollst keine anderen Götter außer Caissa (der Schachgöttin) haben! Doch was macht – Caissa und Bobby Fischer sei’s geklagt – Bergit Brendel? Vergisst in der Pause zwischen zwei Partien über einer sie völlig gefangen nehmenden Operndiskussion, dass alle Aufmerksamkeit nur dem Mattsetzen gegnerischer Könige gelten darf.
Aber man soll die Hoffnung auf Besserung nie aufgeben. So wie in der Bibel von der Heimkehr des verlorenen Sohnes und der großen Freude darüber berichtet wird, so hier von der Umkehr der zugegebenermaßen nur halb verlorenen Tochter. Hören wir sie selbst (in einem Brief an den Chronisten).
„Meine Leidenschaft gilt lasterhafterweise (Bravo! – für solch ein Wort möchte man Sie trotz allem umarmen) zurzeit mehr der Oper als dem Schach, und immer noch kann mich kaum etwas so begeistern wie eine Wagner-Oper. Die Walküre ist einer meiner Favoriten... Am Abend vor der Vorstellung stellt, legt, setzt man sich vor die Oper und wartet bis morgens um sechs Uhr, bis die Nummern ausgegeben werden, die die Reihenfolge für die Stehplätze am Nachmittag festlegen. Diese können zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn an einem schäbigen Seiteneingang ,erstanden‘ werden (im wahrsten Sinne des Wortes), und diese zwei Stunden eignen sich gut für Blindschachpartien...“
Nun, dies war zu armen Studentenzeiten. Inzwischen, mit fetten Dermatologenhonoraren, gibt es Sitzplätze, aber immer noch Walküre. „Diesmal galt es nur, die langen Pausen und den sich in die Länge ziehenden zweiten Akt zu überbrücken. Also begann ich mit meinem Mann Oliver Blindpartien zu spielen (Anmerkung: keinesfalls zu verwechseln mit der vom Arzt und Schachmeister Dr. Siegbert Tarrasch beschriebenen „Amaurosis scachistica“ oder „Schachblindheit“). Während die Göttergattin Fricka Wotan so richtig wegen der unehelichen Wälsen und deren Inzest einheizte, tat ich dergleichen auf dem virtuellen Schachbrett mit meinem armen Mann. Eine der seltenen Gelegenheiten, wo ich dem viel Stärkeren Paroli (Anmerkung: ein gestandener Bundesligaspieler) bieten konnte und wo wir überhaupt Schach miteinander spielen (denn üblicherweise führt das zu Ehestreit).“
Sehen Sie, mit welch feinem Zug Dr. Bergit Brendel als Weiße ihren „Göttergatten“ von der Nutzlosigkeit weiteren Widerstands überzeugte, sodass man sich voll und ganz Siegmunds Tod zuwenden konnte?
Lösung:

Nach 1. Dxf4 Sxf4 2. Sc7+ (2. Td1! – ähnlich wie in der Partie – 2. . . . Se6 3. Sc7+! Sxc7 4. Td8 matt) Kd7 3. Sxa8 Kxc6 hätte der liebe Gatte noch kräftig gezappelt, während ihm 1. Td1! mit direkter Mattdrohung durch Td8 bzw. indirekter durch Sc7 jede Hoffnung raubte – 1. . . . f6 2. Dxf4 Sxf4 3. Sc7+ Kf7 4. Sd8+ Kg7 5. Sxa8 ist gar zu trübe.
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