ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2002Disease-Management-Programme: Mitwirkung sinnvoll

EDITORIAL

Disease-Management-Programme: Mitwirkung sinnvoll

PP 1, Ausgabe März 2002, Seite 97

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Frage „Ist die Versorgung gesichert?“ war das Motto des
3. Deutschen Psychotherapeutentages der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten (Vereinigung) in Mannheim. Die Versorgung der Patienten könnte besser sein, wenn die Kompetenzen von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten bei den geplanten Programmen für chronisch Kranke, den Disease-Management-Programmen (DMP), mit einbezogen würden, fordert die Vereinigung. Psychotherapeuten könnten als Experten für die psychoedukative Vermittlung von Informationen beispielsweise Patientenschulungen und Verhaltenstrainings durchführen. Auch seien Psychotherapeuten für die differenzialdiagnostische Abklärung psychosozialer Aspekte einer Erkrankung und der psychischen Grundbedingungen des Einzelnen ausgebildet. Die Möglichkeiten psychotherapeutischer Interventionen für die vier Krankheitsbilder (Diabetes mellitus, Asthma, koronare Herzkrankheiten, Mammakarzinom), für die strukturierte Behandlungsprogramme entworfen werden sollen, hat die Vereinigung in einer Broschüre aufgezeigt.
Die Forderung nach Einbeziehung der Psychotherapeuten in die Disease-Management-Programme erscheint durchaus sinnvoll. Sie sind wohl am ehesten geeignet, schwer chronifizierte Patienten zur Teilnahme und Mitarbeit zu motivieren und die Drop-out-Rate gering zu halten. Sie können helfen, die Compliance bei der Medikamenteneinnahme zu verbessern. Für die Therapie von Brustkrebspatientinnen ist die psycho-onkologische Betreuung unverzichtbar.
Doch sind die Psychologischen Psychotherapeuten im Koordinierungsausschuss derzeit nur über ihre Zugehörigkeit zur Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vertreten. Im Koordinierungsausschuss entscheiden die Bundes­ärzte­kammer, die KBV und die Deutsche Krankenhausgesellschaft zusammen mit den Krankenkassen darüber, welche Krankheiten für DMP infrage kommen und welche qualitativen Anforderungen an die Programme gestellt werden.
„Dringenden Nachbesserungsbedarf“ hinsichtlich der Einbeziehung der Psychotherapeuten forderte daher Hans Jochen Weidhaas, Bundesvorsitzender der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten, bei der Podiumsdiskussion. Unterstützung erhielt er von Horst Schmidbauer (SPD), Mitglied des Bundestages, der die Mitwirkung der Psychotherapeuten als „dringend notwendig“ erachtete. Pragmatisch bot Thomas Ballast, stellvertretender Leiter der Vertragsabteilung des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen e.V., Siegburg, dem Berufsverband einen Gesprächstermin an. Bis dahin hatte Ballast die rund 500 Teilnehmer der Veranstaltung eher irritiert, indem er von einer „deutlichen Versorgungsverbesserung in der Psychotherapie“ sprach und die Integration als „geglückt“ bezeichnete.
Vieles liegt im Argen – das wurde auch in Mannheim erneut angesprochen: existenziell gefährdete Praxen besonders in den neuen Bundesländern, unterversorgte psychisch kranke Kinder und Jugendliche, lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz sowie das nicht umgesetzte 10-Pfennig-Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts vom 25. August 1999. Auch bleibt die Angst, Psychotherapie könnte zur Wahlleistung werden. Petra Bühring
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