ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2002ADHS: Diagnose durch videogestützte Verhaltensbeobachtung

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ADHS: Diagnose durch videogestützte Verhaltensbeobachtung

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LNSLNS Die Diagnostizierung des Aufmerksamkeitsdefizits/ Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) bei Kindern ist aufwendig. Der Untersuchende hat jedoch zuvor meist schon nach wenigen Minuten einen diagnostischen Eindruck. Offenbar können schon kurze biologische Verhaltenssignale einen Beitrag zur Diagnose von ADHS leisten. Die Autoren zeigen in ihrer Studie, dass durch videounterstützte Beobachtung das Erkennen von charakteristischen ADHS-Merkmalen möglich ist. Sie nahmen 20 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren, bei denen ADHS diagnostiziert war, und 20 nicht betroffene Kinder gleichen Alters während eines Kartenspiels und während des Lösens von Kopfrechenaufgaben auf Video auf. Bei der Auswertung kurzer Videoausschnitte zeigte sich, dass sich die beiden Gruppen klar unterscheiden. Bei von ADHS betroffenen Kindern waren vermehrt Blickabbrüche, ein zu breites Lächeln, Mund- und Zungenbewegungen, impulsive Bewegungen bei Sprachäußerungen, überschnelle, hastige Bewegungen, ständige Unruhe, Bewegungsaktivierungen und gehäufte Irrtümer auszumachen. Die Merkmale sind nach kurzem Vortraining erkennbar und können deshalb für die Sicherung der Diagnose hilfreich sein. Die Autoren verweisen darauf, dass das videogestützte Verfahren ökonomisch und in Arzt- und Psychologenpraxen anwendbar ist. Es trägt dazu bei, eine schnelle und relativ sichere (Erst-)Diagnose bei ADHS zu ermöglichen. ms

Kühle H-J, Hoch C, Rautzenberg P, Jansen F: Kurze videogestützte Verhaltensbeobachtung von Blickkontakt, Gesichtsausdruck und Motorik zur Diagnostik des Aufmerksamkeitsdefizits/Hyperaktivitätssyndroms (ADHS). Praxis Kinderpsychologie Kinderpsychiatrie 2001; 50: 607–621.

Dr. med. Hans-Jürgen Kühle, Petra Rautzenberg,
Praxis für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Ostanlage 2, 35390 Gießen, E-Mail: hans.kuehle@t-online.de
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