ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2002Hypnotherapie: Erfolge bei Schmerzbehandlung

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Hypnotherapie: Erfolge bei Schmerzbehandlung

PP 1, Ausgabe Januar 2002, Seite 43

MS

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LNSLNS Schmerz ist ein komplexes Phänomen mit vielen Ursachen. Die Hypnotherapie nimmt bei der Schmerzbehandlung eine wichtige Rolle ein: „Richtig angewendete Hypnose ist eine der effizientesten Techniken, um den Patienten dabei zu helfen, mit Schmerz umzugehen“, meint der amerikanische Psychologe E.Thomas Dowd, Kent State University. Nach Dowd ist jeder Mensch zwar empfänglich für Hypnose, doch es gibt große individuelle Unterschiede. Hypnose wirkt bei Patienten, die offen für neue Erfahrungen sind, sich intensiv mit etwas befassen können und über Vorstellungskraft verfügen. Wer einen hohen Level an Alphawellen produzieren kann und wer eher mit der rechten Gehirnhälfte denkt, ist leichter in Trance zu setzen. Beim Einsatz von Hypnose wird generell unterschieden zwischen direkten und indirekten Suggestionen. Bei Ersterer wird das Nachlassen des Schmerzes suggeriert, während bei der indirekten Suggestion das Wort „Schmerz“ bewusst vermieden wird. Durch Begriffe wie „entspannt“, „bequem“ oder „gehen lassen“ soll der Patient in einen Entspannungszustand finden, bei dem die Angst und die damit verbundene Muskelanspannung nachlässt. „Eine tiefe Hypnose ist nicht notwendig. In den meisten Fällen reicht eine leichte Trance“, erklärt der Autor. In Verbindung mit kognitiven Behandlungsformen kann Hypnotherapie dabei helfen, Denkstrukturen zu verändern. Im Rahmen der „Zweispaltentechnik“ listet der Patient auf einem Blatt Papier schädigende Selbstgespräche und Gedanken („Es gibt nichts, was ich tun kann, damit es mir besser geht!“) in der linken Spalte auf. In der rechten Spalte stehen hilfreiche, therapeutische Aussagen („Der Schmerz ist unerfreulich, aber er bringt mich nicht um.“). Anfangs suggeriert der Therapeut die positiven Statements. Später kann der Patient auch Autosuggestionen mit Hilfe eines Tonbandes vornehmen. Neben kognitiver Rekonstruktion wird Hypnotherapie auch bei Denkfehlern oder verzerrtem Denken eingesetzt. Beispielsweise zeichnen sich Patienten mit einer „Alles-oder-nichts“-Denkweise dadurch aus, dass sie nur die negativen Seiten des Lebens und ihres Schmerzes sehen. Mit der hypnotherapeutischen Intervention wird versucht, den Patienten an andere negative Ereignisse zu erinnern und daran, dass Veränderung oder Besserung eingetreten ist. Die kognitive Intervention kann helfen, den Schmerz als Chance zu begreifen und neue Wege einzuschlagen. ms

Dowd E T: Cognitive hypnotherapy in the management of pain. J Cogn Psychotherapy 2001;15, 2: 87–97.

E. Thomas Dowd PhD, Department of Psychology, Kent State University, Kent Ohio 44242
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