ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2002Die Operative Psychologie des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR

BÜCHER

Die Operative Psychologie des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR

PP 1, Ausgabe Januar 2002, Seite 46

Richter, Holger

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LNSLNS Geschichtswissenschaft
Ein Stück Aufarbeitung
Holger Richter: Die Operative Psychologie des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Forschungsergebnisse zum Thema: Die Gewinnung inoffizieller Mitarbeiter und ihre psychologischen Bedingungen. Mabuse-Verlag, Frankfurt/Main, 2001, 360 Seiten, kartoniert, 32,00 A
Richter beschäftigt sich mit der Struktur, der Entwicklung und den Inhalten der so genannten Operativen Psychologie der Stasi, wie sie von 1965 bis 1990 mit einem eigenen Lehrstuhl an der Stasi-Hochschule Potsdam existierte. Das Buch ist ein weiteres Stück Aufarbeitung eines totalitären Gesellschaftssystems, in das auch die Psychologie involviert war. Akribisch hat Richter dazu 40 000 Seiten MfS-Akten gesichtet und ausgewertet.
Der Autor beschreibt die Entstehung des Lehrstuhls für „Operative Psychologie“ und kennzeichnet die Lebensläufe der handelnden Personen. So waren am Lehrstuhl zunächst Mitarbeiter tätig, die überhaupt nicht Psychologie studiert hatten, aber später an dieser Hochschule sogar Professor für Psychologie wurden. Die Ziele, Inhalte und Methoden werden in fünf Hauptabschnitten zur „Psychologischen Grundlagenvermittlung“, „IM-Arbeit“, „Hauptamtlichen Kaderarbeit“, „Feindbildarbeit“ und „Arbeit am Feind“ mit einer Fülle von Zitaten dargestellt und geben einen deutlichen Einblick in das instrumentelle Verständnis von Psychologie innerhalb der Staatssicherheit.
Dem Autor gelingt es an vielen Stellen dieses sehr detaillierten Werkes, die journalistischen Übertreibungen im Hinblick auf die Bedeutung der Psychologie für das MfS zu entkräften. Er trägt zu einer Versachlichung der Diskussion über Funktion, Wirkung und Stellenwert bei, indem er sich sowohl gegenüber Bagatellisierungen als auch spektakulären Überhöhungen abgrenzt. Thomas Oelsner
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