ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2002Bürokratie: Pflegekräfte als Partner wahrnehmen

BRIEFE

Bürokratie: Pflegekräfte als Partner wahrnehmen

PP 1, Ausgabe Februar 2002, Seite 69

Schubert, Thomas J.

Zu dem Kommentar „Alten- und Pflegeheime: Gigantische Pflegebürokratie“ von Dr. med. Argeo Bämayr in Heft 50/2001:
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LNSLNS Eine gute Dokumentation behindert gute Pflege nicht, sondern ist eine Voraussetzung dafür. Aus Kenntnis etlicher Pflegeheime kann ich Ihnen versichern, dass dort, wo gut gepflegt wird, auch gut dokumentiert wird.
Heimbegehungen führen wir häufig mit dem bösen MDK gemeinsam durch und haben die dort tätigen Kolleginnen und Kollegen (und damit meine ich ausdrücklich Pflegefachkräfte) als kompetent und hilfreich erlebt. Der Anspruch des MDK ist, dass eine Pflegefachkraft in der Lage sein muss, nach der Dokumentation den Heimbewohner X zu versorgen. Und das ist ja wohl nicht zu viel verlangt.
Pflegeplanung etc. ist keine Erfindung des MDK, sondern wurde schon einige Jahre vor Einführung der Pflegeversicherung an Pflegeschulen gelehrt. In Deutschland jedenfalls. In anderen europäischen Ländern, in denen die Krankenpflege einen ganz anderen Stellenwert hat, bereits wesentlich länger.
Es geht um viel Geld. Wenn ein Heim für jemanden mit Pflegestufe drei circa 6 000 DM kassiert, muss es auch Rechenschaft darüber ablegen, was es geleistet hat. Das müssen die Ärzte doch auch. . . . Völlig unverständlich ist die Aussage, der Haus- oder Nervenarzt könne die Einstufung in die Pflegeversicherung besser vornehmen als der MDK. Dies ist aus meiner Sicht – verzeihen Sie mir bitte den Ausdruck – ein Zeichen von berufsspezifischer Überheblichkeit. Ärzte können Pflege nicht mal eben im Vorbeilaufen mitbeurteilen. Oder, Herr Kollege Bämayr, wann haben Sie zum letzten Mal einen Apoplektiker gelagert, einen akinetischen Parkinsonkranken angezogen oder bei einer kachektischen Tumorpatientin eine Dekubitusprophylaxe betrieben? Es ist einfach an der Zeit, dass wir als Ärzte beginnen, Pflegefachkräfte als gleichwertige Partner wahrzunehmen und nicht als Hilfskräfte!
Bezüglich einer „Enquete der Heime“ sei angemerkt, dass die Autoren in der Tat hier hochinteressante Gedanken zu Papier gebracht haben und auf lange Sicht die Institution Heim insgesamt infrage stellen. Ich bin mir allerdings sicher, dass unter diesen Autoren niemand ist, der die Notwendigkeit guter Dokumentation bezweifelt.
Thomas J. Schubert, Arzt für Psychiatrie und für Öffentliches Gesundheitswesen, Heidackerskamp 62, 24536 Neumünster
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