ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2002Angststörungen bei Kindern: Therapieerfolge mit FRIENDS-Programm

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Angststörungen bei Kindern: Therapieerfolge mit FRIENDS-Programm

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LNSLNS Viele Studien stützen die Hoffnung, dass Kindern mit Angststörungen durch psychosoziale Behandlungsprogramme geholfen werden kann. Eine Erfolg versprechende, kognitiv-behavio-
rale Form der Gruppentherapie für
betroffene Kinder und ihre Eltern stellte das australische Psychologenteam Alison Shortt, Paula Barrett und Tara Fox vor: das FRIENDS-Programm
(F=Feeling worried?; R=Relax and feel good; I=Inner thoughts; E=Explore plans; N=Nice work so reward yourself; D=Don’t forget to practice; S=Stay calm, you know how to cope now). Es gibt eine Form für Kinder (6 bis 11 Jahre) und eine für Jugendliche (12 bis 16 Jahre). Aufgaben und Ziele des FRIENDS-Programms bestehen in der Einbindung der Eltern in die Therapie, im Aufbau sozialer Netzwerke und in der täglichen, praktischen Anwendung des Gelernten.
„Ganz wichtig ist es, dass die Isolation, zu der Angststörungen oft führen, durchbrochen wird“, betonen die Autoren. Die Kinder werden dazu angehalten, ihren Körper als Freund zu betrachten, sich selbst ein Freund zu sein, sich Freunde zu suchen und mit ihnen über ihre Ängste zu sprechen. Sie sollen lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und aus den Erfahrungen anderer betroffener Kinder zu lernen. Neben der Aufmerksamkeit wird auch die Fähigkeit geschult, die eigenen Leistungen und Erfolge internal zu attribuieren, das heißt den eigenen Fähigkeiten zuzuschreiben. Die Arbeit mit den Eltern beinhaltet kognitive Restrukturierung und Partnertrainings: Die Eltern werden dazu angeleitet, die eigenen Ängste zu erkennen und damit umzugehen. Anschließend lernen sie Verstärkungs- und Belohnungsstrategien kennen. In Rollenspielen sollen die Eltern verschiedene Methoden ausprobieren, um das ängstliche Verhalten ihrer Kinder handhaben zu können. Außerdem erhalten sie ein kurzes Training in Kommunikationstechniken, partnerschaftlicher Unterstützung und Problemlösefähigkeiten. Weiter sollen sie ein unterstützendes soziales Netzwerk aufbauen und die Bildung von Freundschaften unter den Kindern fördern.
Um die Effektivität des FRIENDS-Programms zu überprüfen, baten die Autoren 71 Kinder mit verschiedenen Angststörungen (unter anderem Trennungsangst, soziale Phobie, generalisierte Angststörung) und ihre Eltern um Teilnahme. 54 Kinder wurden in die Untersuchungsgruppe aufgenommen, 17 Kinder stellten die Kontrollgruppe. Zehn wöchentliche Sitzungen wurden abgehalten. Sowohl die Therapeuten als auch die Kinder und die Eltern bekamen Arbeitsbücher, in denen die Aktivitäten, Strategien und Ziele des Programms dargestellt waren. Die Therapeuten arbeiteten in den Sitzungen abwechselnd mit den Kindern und den Eltern und auch mit beiden Gruppen zusammen. Alle Sitzungen wurden auf Video aufgezeichnet und von zwei unabhängigen Therapeuten ausgewertet. Außerdem füllten die Eltern Bewertungsbögen aus.
Ergebnisse: 69 Prozent der behandelten Kinder waren nach Abschluss des Programms beschwerdefrei – aber nur sechs Prozent der Kontrollgruppe. Auch nach zwölf Monaten waren immer noch 68 Prozent der FRIENDS-Kinder ohne diagnostische Befunde. Neben diesen Erfolgen zeigte sich, dass das Programm den Kindern und den Eltern Spaß gemacht hatte und sie neue und nützliche Fertigkeiten gelernt hatten. Als besonders hilfreich wurden der Einsatz von Belohnungen und verschiedenen kognitiven Strategien bewertet. Wie die Autoren berichten, profitierten offenbar nicht nur die Kinder davon: „Die Eltern meinten, dass die Strategien, die ihren Kindern helfen sollten, auch für sie selbst nützlich sind.“ ms

Shortt AL, Barrett PM, Fox TL: Evaluating the FRIENDS Program: A cognitive-behavioral group treatment for anxious children and their parents. Journal of Clinical Child Psychology 2001; 30: 4:525–535.

Paula Barrett, School of Applied Psychology, Faculty of Health Science, Psychology Building Mt. Gravatt, Griffith University, Brisbane, Australia 4111, E-Mail: p.bar rett@mailbox.gu.edu.au
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