ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2002Ärzte · Heiler · Scharlatane. Schulmedizin und alternative Heilverfahren auf dem Prüfstand

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Ärzte · Heiler · Scharlatane. Schulmedizin und alternative Heilverfahren auf dem Prüfstand

PP 1, Ausgabe Februar 2002, Seite 82

Stöhr, Manfred

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Integrative Medizin
Widersprüche
Manfred Stöhr: Ärzte · Heiler · Scharlatane. Schulmedizin und alternative Heilverfahren auf dem Prüfstand. Steinkopff Verlag, Darmstadt, 2001, XI, 216 Seiten, kartoniert, 19,95 €
Der Muslim glaubt an die Mondspaltung, der Christ an die Auferstehung, und der Anhänger der Homöopathie zweifelt nicht an der Wirkung von D30. Dies gilt oft auch dann, wenn der Muslim Astronom und der Christ Pathologe ist, und zu den Anhängern der Homöopathie zählen ja bekanntlich viele Mediziner. Kein Wissenschaftler vermag einen religiösen Menschen von der mangelnden Evidenz seines inneren Wissens zu überzeugen, und so dürfte das Buch des Neurologen Manfred Stöhr wenig ausrichten, so beredt seine Ausführungen zur Homöopathie und den anderen alternativen Heilmethoden auch sind (und so sehr man dem Autor auch zustimmen mag).
Nach kurzer Lektüre fragt man sich aber, für wen der Text geschrieben ist. Anhänger der verschiedenen Heilmethoden unter den Ärzten wird Stöhr kaum erreichen, und rational denkende Menschen dürften sich zu den verschiedenen Verfahren ihre eigene Meinung gebildet haben. Vollkommen in Widersprüche verwickelt sich Stöhr, wenn er die integrative Medizin als Zukunftsmodell entwirft. Die integrative Medizin ist der Versuch, die soliden schulmedizinischen Methoden durch ausgewählte Elemente von Komplementär- und Alternativmedizin zu bereichern. Die Auswahl, die Stöhr trifft, ist aber rein willkürlich, denn wirklich überzeugende Wirkungsbelege gibt es für Chiropraxis, Akupunktur, spirituelle Heilverfahren und künstlerische Therapien, die Stöhr für „integrationswürdig“ hält, nicht. Auch am Wert von Klima- und Heliotherapie sind Zweifel möglich.
Zweifellos käme vielen Kollegen die Ausweitung ihrer Tätigkeit in den spirituellen Randbereich gelegen (solange die Leistungen nicht gedeckelt werden). Die Hoffnung, alternative Heilmethoden könnten Kosten sparen, da dann sinnlose Leistungen der Schulmedizin weniger in Anspruch genommen würden, wirkt aber ein wenig kurzsichtig. Die meisten Patienten wollen nämlich beides, Schul- und Alternativmedizin – am besten ohne Zuzahlung (und ohne Erhöhung der Beiträge, versteht sich). Rüdiger Meyer
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