ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2002Praxiskosten: Ideal statt Status quo

POLITIK

Praxiskosten: Ideal statt Status quo

PP 1, Ausgabe März 2002, Seite 104

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten holte ein Gutachten ein, das die Kosten psychotherapeutischer Praxen in Sachsen analysierte.

Die Kosten, die in der Praxis eines Psychologischen Psychotherapeuten entstehen, sind immer wieder Streitpunkt bei der Ermittlung eines angemessenen Punktwertes für psychotherapeutische Leistungen. Das Bundessozialgericht geht in der Bekräftigung des Urteils (Az.: B 6 KA 58/00 R vom 12. September 2001), das einen Punktwert von 10 Pfennig (5 Cent) für genehmigungspflichtige G-IV-Leistungen für angemessen hält, von einer linearen Kostenquote von 40,2 Prozent, gemessen am Umsatz (circa 45 000 A im Jahr), aus. Im Beschluss des Bewertungsausschusses der Ärzte und Krankenkassen vom 16. Februar 2000 – der zurzeit geändert wird – werden dagegen Betriebsausgaben von 33 000 A als starre Obergrenze festgeschrieben.
Minimalausstattung
und Teilzeitauslastung
Nach Ansicht von Dieter Best, dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten, spiegeln die diesen Zahlen zugrunde liegenden Kostenstrukturanalysen nur den „Status quo“ der psychotherapeutischen Praxen wider, der gekennzeichnet sei durch Teilzeitauslastung und Minimalausstattung: „Ein bis zwei Zimmer, Billigmöblierung, Anrufbeantworter statt Personal, Verzicht auf Fortbildung.“ Diese Durchschnittspraxis, die sich unter den sinkenden Punktwerten im letzten Jahrzehnt herausgebildet habe, „ist zur Bestimmung der realistischen Kosten einer professionell betriebenen Praxis nicht geeignet“.
Um die Kosten einer idealen Praxis zu ermitteln, hat die Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten, Landesgruppe Sachsen, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Wart & Klein GmbH, Dresden, ein Gutachten eingeholt. Untersucht wurden 13 voll ausgelastete psychotherapeutische Praxen in Sachsen zwischen Juli und November 2001. Ergebnisse:
c Bei Einnahmen von durchschnittlich 80 650 A betrugen die Ausgaben in 1999 circa 40 300 A. Die Kosten für Miete und Personal der befragten Praxen waren dabei niedrig, die Praxisräume klein.
c Die Einnahmen wurden mit einer Arbeitszeitleistung von 2 384 Stunden im Jahr (davon reine Therapiezeit 1 816 Stunden) erwirtschaftet. Das entspricht rund 53 Stunden wöchentlich bei 45 Arbeitswochen im Jahr.
c Der Gewinn von circa 40 300 A vor Abzug für Kran­ken­ver­siche­rung und Altersvorsorge wurde erwirtschaftet, ohne Investitionen, notwendig um „den technischen Stand der medizinischen Versorgung“ zu erreichen, getätigt zu haben. Teilweise übernahmen die Praxisinhaber auch Arbeiten, die vom Personal hätten erbracht werden können. Den Wert der unterbliebenen Sach- und Personalinvestitionen veranschlagten die Gutachter mit 14 650 A und fügten ihn als kalkulatorische Kosten hinzu.
Insgesamt belaufen sich die jährlichen Kosten einer psychotherapeutischen Vollzeitpraxis in den neuen Bundesländern also auf rund 54 950 A. Aufgrund höherer Mieten und Personalkosten dürften die Kosten in westdeutschen Praxen noch höher sein. Auch führten die niedrigeren Punktwerte in Ostdeutschland vermutlich zu mehr Einsparungen, als im Westen nötig waren.
Solle das Ziel der Berechnungen des Bewertungsausschusses ein Einkommen sein, das dem anderer Facharztgruppen entspricht, folgert Best, müsse der Punktwert mehr als 5 Cent betragen. Petra Bühring
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