ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2002Psychische Erkrankungen: Risiko bei Strafhäftlingen erhöht

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Psychische Erkrankungen: Risiko bei Strafhäftlingen erhöht

Seger, Gabriele

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LNSLNS Einer von sieben Häftlingen ist in Gefängnissen westlicher Länder wahrscheinlich aufgrund einer behandlungsbedürftigen psychotischen Erkrankung oder schweren depressiven Störung suizidgefährdet. Zu diesem Ergebnis kommen Seena Fazel vom Department of Psychiatry, University of Oxford, und John Danesh, University of Cambridge, Großbritannien, im Lancet (2002; 359: 545). Weltweit seien etwa neun Millionen Personen inhaftiert. Über das Ausmaß von ernsthaften psychiatrischen Erkrankungen bei den Gefangenen sei bisher jedoch wenig bekannt. Die Wissenschaftler führten 62 Erhebungen zu psychiatrischen Störungen in Gefängnissen von 12 westlichen Ländern durch. 81 Prozent der 22 790 in die Studie einbezogenen Häftlinge waren männlich, das Durchschnittsalter lag bei 29 Jahren. Die Daten von 27 Erhebungen erachteten die Autoren als geeignet für eine Auswertung. Ein Viertel der Häftlinge waren Gewalttäter. Etwa vier Prozent der Männer (vier Prozent der Frauen) hatten eine psychotische Erkrankung, zehn Prozent (12 Prozent der Frauen) eine schwere Depression. Bei 65 Prozent der männlichen Inhaftierten (42 Prozent der Frauen) lag eine Persönlichkeitsstörung vor.
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung war das Risiko für eine psychotische Erkrankung und eine schwere Depression bei den Häftlingen um das Vierfache erhöht, das Risiko für eine Persönlichkeitsstörung um das Zehnfache. Die Ergebnisse zeigen, dass die Betreuung auch hinsichtlich der psychischen Gesundheit in Gefängnissen neu überdacht werden sollte. se

Fazel S, Danesh J: One in seven prisoners in Western countries may need psychiatric treatment. Lancet 2002; 359: 545.

Dr. Seena Fazel, Department of Psychiatry, University of Oxford, Warneford Hospital, Oxford OX 3 7JX, United Kingdom, seena.fazel@psych.ox.ac.uk
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