ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2002Therapieelement Hausaufgaben: Ausnahme oder Therapiealltag?

Referiert

Therapieelement Hausaufgaben: Ausnahme oder Therapiealltag?

PP 1, Ausgabe März 2002, Seite 135

MS

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Hausaufgaben sind Aufgaben, die der Klient zwischen den Therapiesitzungen durchführt. Sie werden von Praktikern häufig eingesetzt. Ihre Effektivität für den Therapieerfolg gilt weitgehend als gesichert. Über die Nutzungshäufigkeit im therapeutischen Alltag liegen jedoch kaum Daten vor. Deshalb führten die Autoren eine Befragung von 140 Personen durch, die an Fortbildungsveranstaltungen für Psychotherapie teilnahmen. 64,3 Prozent der Befragten waren verhaltenstherapeutisch, 26,4 Prozent waren überwiegend tiefenpsychologisch orientiert. Die therapeutische Erfahrung der Teilnehmer belief sich von 500 bis über 7 000 Behandlungsstunden. Ergebnisse der Befragung:
Hausaufgaben sind ein sehr häufig eingesetztes Element vieler Therapien. 63 Prozent der Befragten geben Hausaufgaben in jeder Therapie auf. Fast alle Therapeuten (96 Prozent) kontrollieren die Hausaufgaben immer. Aufgegeben wurden: Verhaltensübungen (von 86 Prozent der Befragten), Beobachtung des eigenen Verhaltens (von 75 Prozent), Überdenken bestimmter Themen (von 75 Prozent) und Verhaltensprotokolle erstellen (von 71 Prozent). Einige Therapeuten (weniger als 4 Prozent) lassen als Hausaufgaben außerdem Informationen besorgen, Bücher lesen, Träume notieren, Lebensgeschichte schreiben und kreative Aufgaben (Malen, Musizieren) durchführen. „Das Nichterledigen von Hausaufgaben ist das häufigste Problem“, stellten die Autoren fest. Andere Schwierigkeiten bestehen darin, dass die Hausaufgaben zu schwer sind, die Aufgaben unklar oder die Therapie nicht weiterbringen. Einige Patienten lehnen Hausaufgaben auch rundweg ab. Ihre Anzahl ist jedoch gering, denn die Patientencompliance fällt hoch aus.
Beim Vergleich von Therapeuten verschiedener Schulen war festzustellen: Verhaltenstherapeuten geben häufiger Hausaufgaben auf und kontrollieren sie auch häufiger. Außerdem schätzen sie den therapeutischen Wert von Hausaufgaben positiver ein als tiefenpsychologisch orientierte Therapeuten. Von der Therapieerfahrung war dagegen die Einschätzung der Hausaufgaben nicht abhängig. Die Schlussfolgerung der Autoren lautet: „Wenn Hausaufgaben bedeutsam zur Effektivität einer Therapie beitragen können, wäre es dringend geboten, in den postgradualen Ausbildungs- und Aufbaustudiengängen systematisch den Umgang mit Hausaufgaben in der Therapie zu trainieren.“ ms

Fehm L, Fehm-Wolfsdorf G: Hausaufgaben in der Psychotherapie. Psychotherapeut 2001; 46: 386–390.

Dr. Lydia Fehm, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Technische Universität Dresden, 01062 Dresden,
E-Mail: Lydia.Fehm@mailbox.tu-dresden.de
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema