ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2002Neue Wege nach dem Trauma. Information und Hilfen für Betroffene

BÜCHER

Neue Wege nach dem Trauma. Information und Hilfen für Betroffene

PP 1, Ausgabe März 2002, Seite 136

Fischer, Gottfried

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Traumatologie
Vielfältige Erfahrungen
Gottfried Fischer: Neue Wege nach dem Trauma. Information und Hilfen für Betroffene. Vesalius Verlag, Konstanz, 164 Seiten, kartoniert, 16,36 A
Das Buch gehört zu den wenigen Aufklärungsschriften für akut traumatisierte Patienten und ist eines der noch selteneren seriösen Exemplare dieser Art von Schriften. Der Autor, Gottfried Fischer, Universität Köln, leitet seit Jahren regionale und überregionale Projekte der psychologischen Soforthilfe und Nachsorge bei Katastrophen und Gewaltverbrechen, so bei den Opfern der Zugunglücke von Eschede und Brühl, dem Concordeabsturz oder im Opferhilfe-Modellprojekt NRW.
Aus dieser Arbeit der letzten zehn Jahre ist die Informationsbroschüre entstanden. Sie bündelt die vielfältigen Erfahrungen, was den Betroffenen hilft, was zu tun ist nach einer schweren Belastung und was möglichst vermieden werden sollte. Die Broschüre enthält Vorschläge und Tipps zur Selbsthilfe, zeigt aber immer auch deren Grenzen auf. Diese Umsicht kommt schon im ersten Ratschlag zum Ausdruck, wo es heißt: „Medizinische Maßnahmen haben Vorrang . . .“.
Die Hauptabschnitte behandeln folgende Themen: Was ist ein Trauma? An welchen Anzeichen können Betroffene es bei sich erkennen? Wie kann das Trauma überwunden werden? Mit Entspannungsübungen, Anregungen zum Aufbau eines Tagesrituals, mit Stabilisierungsmaßnahmen und -techniken, Tipps zu körperlicher Roborierung und geeigneter Diät (um die Widerstandskraft des Körpers zu stärken).
Weiter wird informiert über typische Folgen traumatischer Situationen wie Unfälle, Gewalterfahrung, Naturkatastrophe; Warnsignale für traumatische Ereignisse werden beantwortet. Der Abschnitt „Wie kann man Kindern helfen?“ enthält wertvolle Tipps zur psychologischen Ersten Hilfe bei traumatisierten Kindern; häufig gestellte Fragen werden beantwortet. Das letzte Kapitel heißt „Wann wende ich mich an Fachleute – die Grenzen der Selbsthilfe erkennen“.
Die Philosophie dieser Aufklärungsbroschüre besteht darin, den natürlichen Erholungsprozess von Betroffenen nach einer schweren Belastungssituation gezielt zu unterstützen und alles zu vermeiden, was ihm entgegensteht. Das kleine Buch enthält viel Wissenswertes zu Trauma und Traumaverarbeitung, nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte. Dennoch ist sie für medizinische Laien geschrieben in einem sprachlich sehr gut nachvollziehbaren Stil und vermeidet Fachausdrücke. Von den Patienten wird sie erfahrungsgemäß gut akzeptiert. Die Broschüre kann Patienten zur Eigenlektüre empfohlen werden. Sie eignet sich aber auch als Grundlage für ein weiterführendes ärztliches Gespräch, für fachliche Beratung und Therapie akut traumatisierter Patienten.
Im Ganzen: Eine Bereicherung unserer ärztlichen und therapeutischen Möglichkeiten im Umgang mit einer hoch vulnerablen Patientengruppe. Thomas W. Heinz
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