ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Mammographie-Screening: KV Bayerns startet Qualitätsoffensive

POLITIK

Mammographie-Screening: KV Bayerns startet Qualitätsoffensive

Dtsch Arztebl 2002; 99(40): A-2591 / B-2212 / C-2076

Schmidt, Klaus

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In München, Nürnberg und Würzburg gibt es die neuen digitalen Befundungsstationen mit umfangreichen Fallsammlungen. Foto: Pressestelle KVB
In München, Nürnberg und Würzburg gibt es die neuen digitalen Befundungsstationen mit umfangreichen Fallsammlungen.
Foto: Pressestelle KVB
Mit Zusammenschlüssen von jeweils 10 bis 20 mammographierenden Ärzten sollen flächendeckend Screening-Netze geschaffen werden.

Durch den Zusammenschluss von je zehn bis 20 zertifizierten, ambulant und stationär tätigen Mammographeuren will die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ab 2003 flächendeckend qualitätsgesicherte Screening-Netze schaffen. Grundlage ist ein von der Bayerischen Staatsregierung unterstütztes Zertifizierungsprogramm, das alle bayerischen Mammographeure bis Ende des Jahres durchlaufen werden.
Im Freistaat Bayern könnte dank dieser Vorarbeiten als erstem deutschen Bundesland das Mammographie-Screening ab 1. April 2003 praktiziert werden, das nach einem Beschluss der Spitzenverbände der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) im nächsten Jahr für alle Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr als GKV-Leistung eingeführt werden soll. Dies erklärte Sozialministerin Christa Stewens bei der Präsentation des Programms in München. Sie und der bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Eberhard Sinner appellierten an die KV, dafür zu sorgen, dass die Patienten auch erfahren, welche Praxen und Kliniken erfolgreich zertifiziert wurden. Die KVB plant, eine Liste der betreffenden Ärzte und Einrichtungen im Internet zu veröffentlichen.
Die Selbstverwaltung forderte Ministerin Stewens auf, rasch für eine Umsetzung des Screenings zu sorgen. Falls der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen bis zum 1. April 2003 keine entsprechende Richtlinie erlassen habe, werde Bayern allein mit dem Screening in Form eines Modellprojekts beginnen.
Durch regelmäßige Rezertifizierung sowohl der mammographierenden Ärzte und Ärztinnen als auch der Geräte auf der Grundlage der European
Guidelines solle der hohe Qualitätsanspruch des Screening-Programms gesichert werden, erklärte der KVB-Vorsitzende Dr. med. Axel Munte. Von den 508 in Bayern tätigen Mammographeuren sind bereits 265 geprüft worden, 185 davon haben die Prüfung bestanden. Munte rechnet damit, dass am Ende etwa 20 bis 30 Prozent der jetzt mammographierenden Radiologen und Gynäkologen ausscheiden werden.
Nach Auffassung der KVB können die bestehenden Versorgungsstrukturen durch die Verzahnung qualitätsgesicherter ambulanter und stationärer Mammographeure optimal genutzt werden. Eine Konzentration des Screenings in Screening-Zentren, wie sie der Bundestag im letzten Jahr gefordert hat, lehnt die KVB ab. Nach Muntes Ansicht darf nur der enge Kontakt von Arzt und Patientin Basis für Vorsorgeuntersuchungen sein: „Ein staatliches Quasi-Zwangsscreening, wie bei den früheren Reihenuntersuchungen auf Tbc, wollen wir den verunsicherten Frauen ersparen.“
Die Rezertifizierung der Kolleginnen und Kollegen findet in den bundesweit bislang einmaligen digitalen Befundungsstationen der KVB in München, Nürnberg und Würzburg statt. Dort bekommen sie 50 Fälle aus einer derzeit mehr als 300 Fälle umfassenden Sammlung zur Befundung vorgelegt. Als Hilfe für die zu zertifizierenden Ärztinnen und Ärzte hat die KVB eine Übungs-CD-ROM mit 35 Fällen, die nicht Bestandteil der Prüfsammlung sind, zusammengestellt. Das Handling und die Befundung auf dieser CD-ROM laufen in der gleichen Weise ab wie in den digitalen Befundungsstationen. Man kann eine individuelle Darstellung sämtlicher Mammographien wählen und dabei eine elektronische Lupe nutzen. Die Befundung einschließlich der Lokalisation wird in eine grafische Eingabemaske eingesetzt, das Ergebnis anschließend mit dem Goldstandard verglichen.
Sofern abweichende Befunde erhoben wurden, zeigt die Software Art
und Lage einer gegebenenfalls vorhandenen Gewebeveränderung an. Die Übung mit der CD-ROM, sagte Munte, verhelfe den Ärztinnen und Ärzten zu mehr Sicherheit bei der Befundung. Sie könne außerdem als gute Vorbereitung auf die Prüfung dienen.
Der AOK-Landesverbandsvorsitzende Dr. Helmut Platzer und Helmut Heckenstaller, Leiter der TK-Landesvertretung, begrüßten als Vertreter der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung die Bemühungen der KV Bayerns. Beide sprachen sich dafür aus, die finanziellen Leistungen der Krankenkassen an die Qualität der Ärzte anzupassen, wie es bereits in Strukturverträgen geschehe. Heckenstaller zufolge will man bei den Honorarverhandlungen darauf hinwirken, dass minderqualifizierte Ärzte nicht besser gestellt werden als die qualifizierten Ärzte.
Klaus Schmidt
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