ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Hormonersatztherapie – Aufklärung mit freundlicher Unterstützung: Anmerkungen des Autors - Quod erat demonstrandum

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Hormonersatztherapie – Aufklärung mit freundlicher Unterstützung: Anmerkungen des Autors - Quod erat demonstrandum

Koch, Klaus

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LNSLNS Gegenstand meines Artikels war die offensichtliche Verbindung zwischen Prof. Teichmann und der Berliner Schering AG, die berechtigte Zweifel an der Unabhängigkeit zweier Stellungnahmen aufkommen ließen, die am 12. Juli in seinem und im Namen des Berufsverbandes der Frauenärzte deutschlandweit versendet worden waren. Eines der mit Prof. Teichmann als Absender an 11 000 Frauenärzte per Fax verschickten Dokumente war eine „Patientinneninformation“, die dem Wort-
laut nach „in Zusammenarbeit“ mit ihm und dem Berufsverband der Frauenärzte entstanden war.
Im Gefolge der öffentlichen Auseinandersetzung erklärt Prof. Teichmann jetzt, dass diese Patientinneninformation „weder aus seiner Feder“ stamme, „noch von ihm autorisiert“ worden sei, sondern von Schering (sic!) erstellt worden sei.
Ich habe im Zuge der Recherchen zu meinem Artikel am 23. Juli mit Prof. Teichmann über seine Stellungnahmen gesprochen, also elf Tage nach Aussendung seines Faxes. Jetzt sagt er, dass er zum Zeitpunkt dieses Gesprächs keine Kenntnis vom Inhalt der Patientinneninformation gehabt habe.
Nach meinen Recherchen ist der Berufsverband der Frauenärzte bereits am 15. Juli auf die Stellungnahmen aufmerksam gemacht worden, am 26. Juli habe ich mit Dr. med. Steiner, dem Präsidenten des Berufsverbandes, telefoniert – auch er hat mich nicht auf die Beteiligung Scherings hingewiesen. Wer letztlich dafür verantwortlich ist, dass ein Pharmaunternehmen sich auf diese Weise verdeckt in die Arbeit einer Kommission des Berufsverbandes der Frauenärzte einkoppeln konnte, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Ebenso wenig weiß ich, ob diese Art von Zusammenarbeit eine Ausnahme war oder die Regel ist. Fest steht aber, dass es wohl kaum klarere Beweise für die in meinem Artikel dargestellte Beeinflussung der Stellungnahme durch Schering geben kann. Das Recht von Schering (und jeder anderen Pharmafirma), Ärzte und Öffentlichkeit über die Firmenauffassung zu informieren, wird von mir nicht bestritten. Wenn Information, dann aber bitte offen.
Die Frage ist nun, wie man diese Affäre bewertet: Ist die Teichmann/Schering-Aktion nur eine freundliche und unverfängliche Kooperation oder ist es ein Vertrauensbruch, der die Glaubwürdigkeit der niedergelassenen Frauenärzte beschädigt und zu einer einseitigen Information der Patientinnen führt? Den weiteren Zuschriften ist gemeinsam, dass sie das Auftreten von Prof. Teichmann und Schering halb so schlimm oder sogar lobenswert finden und das wahre Fehlverhalten beim Autor und dem DÄ sehen. Ich denke, man sollte die Bewertung dieser Reaktionen jedem Leser selbst überlassen.
Die Diskussion um die Beurteilung der Hormontherapie ist längst nicht ausgestanden. Während Prof. Teichmann und Schering davon ausgehen, dass der Abbruch der US-Studie für Deutschland ohne Konsequenzen sei, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Stufenplanverfahren eingeleitet, das möglicherweise auf eine Einschränkung der Indikationen hinausläuft.
Der Abbruch der Women’s Health Initiative hat weltweit eine Diskussion um die Bewertung der Hormontherapie nach den Wechseljahren ausgelöst. Hier ist eine Auswahl von deutschen und internationalen Reaktionen.
Übersichtsarbeiten:
Evidence from randomised trials on the long-term effects of hormone replacement therapy
Valerie Beral, Emily Banks, Gillian Reeves
Lancet 2002; 360: 942–44
Postmenopausal Hormone Replacement Therapy
Heidi D. Nelson et al.
JAMA. 2002; 288: 872–881
Kommentare:
Hormone replacement therapy: a time for pause
Salim Yusuf and Sonia Anand
CMAJ 2002; 167: 357–359
Lessons from the Women's Health Initiative: primary prevention and gender health
Anna Day
CMAJ 2002 167: 361–362
Behörde:
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Hormonersatztherapie bei Frauen in und nach den Wechseljahren mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen
Arzneimittel-Schnellinformation (2. September 2002)
Fachgesellschaften:
Prof. Hans Georg Bender, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Hormone in den Wechseljahren als kurzfristige Therapie, nicht als Prävention geeignet
Deutsche Menopause Gesellschaft
Stellungnahme zu den Ergebnissen der WHI-Studie
Herbert Kuhl und Wilhelm Braendle
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, Kommission Hormontoxikologie
Vorläufige Stellungnahme zu den Ergebnissen der „Women’s Health Initiative“ Studie
Andreas F. H. Pfeiffer
North American Menopause Society
Managing Menopause After HERS II and WHI: Coping With the Aftermath
Wulf H. Utian
- Sämtliche Internet-Links zu obigen Quellen finden Sie unter www.aerzteblatt.de, Rubrik DÄ plus/Zusatzinfo Klaus Koch
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