ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Katastrophenschutz: Mehr Kompetenzzentren in Bund und Ländern

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Katastrophenschutz: Mehr Kompetenzzentren in Bund und Ländern

KM

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LNSLNS Konzept für die katastrophenmedizinische Versorgung

Wir brauchen dringend ein Konzept für eine Zusammenführung von Zivil-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst, ambulanter und stationärer Versorgung – und dies auf der Basis einer Zusammenarbeit von Bund und Ländern“: Jahrelang erhob Dr. med. Michael Popovi´c, Hauptgeschäftsführer der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, Frankfurt/Main, immer wieder die Forderung, ärztlichen Sachverstand in die Katastrophen- und Zivilschutzplanungen einzubinden. Seit der Veränderung der außen- und innenpolitischen Lage nach 1990 – insbesondere seit In-Kraft-Treten des Zivilschutzneuordnungsgesetzes – seien die für den Zivil- und Katastrophenschutz zur Verfügung stehenden Ressourcen in Deutschland zunehmend abgebaut worden – eine Entwicklung, die Popovi´c für den gesundheitlichen Zivilschutz, die Katastrophenmedizin und die medizinische Versorgung bei Großschadensereignissen als besorgniserregend bezeichnete.
Eindringlich machte der 11. September 2001 deutlich, wie notwendig ein effektives Katastrophenschutz-Konzept ist. Vor dem Hintergrund der Terroranschläge in den Vereinigten Staaten beauftragte die Hessische Landesregierung die Lan­des­ärz­te­kam­mer und die Vertreter der Hilfsorganisationen sowie den Landesfeuerwehrverband, eine ergänzende Stellungnahme zum Katastrophenschutz-Konzept zu erarbeiten. In der Gefährdungsanalyse für das Land Hessen, die der Landesbeirat für den Katastrophenschutz gemeinsam mit dem Hessischen Innenministerium erstellt hatte, waren nach Ansicht der hessischen Ärzteschaft die gesundheitlichen Schutzinteressen der Bevölkerung bei Großschadensereignissen – vor allem die katastrophenmedizinischen Notwendigkeiten – nicht genügend berücksichtigt worden.
Die am 9. Dezember 2001 von der Lan­des­ärz­te­kam­mer vorgelegte gutachterliche Stellungnahme, die im Zusammenwirken mit den Hilfsorganisationen und dem Landesfeuerwehrverband erarbeitet wurde – sie deckt sich in wesentlichen Aussagen mit dem zweiten Gefahrenbericht des Bundesministers des Innern –, veranlasste das Hessische Innenministerium dazu, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich mit der Entwicklung von Konzepten für die katastrophenmedizinische Versorgung befasst.
Beispielhafte Stellungnahme
Auf Bundesebene wurde die hessische Stellungnahme als beispielhaft für das Bundesgebiet gewertet. Die anderen Bundesländer bestätigten die Ergebnisse der hessischen Defizitanalyse und den beschriebenen Handlungsbedarf. Auf Zustimmung stieß vor allem die Forderung nach einer Zusammenarbeit der zuständigen Ressorts auf Landes- und Bundesebene im Sinne von Kompetenzzentren für den Katastrophenfall. Dadurch sollen widersprüchliches Planen und Handeln beim Eintritt eines Großschadensereignisses vermieden und die Kräfte fachlich gebündelt werden.
In Hessen flossen die Forderungen der Ärzteschaft in die Planungen der Landesregierung ein. So integrierte das Hessische Ministerium des Innern und für Sport den gesundheitlichen Katastrophenschutz und die katastrophenmedizinische Versorgung in das Katastrophenschutz-Konzept des Landes. Im Zuge der Weiterentwicklung des Konzeptes wurde die Zusammenarbeit zwischen dem Hessischen Innenministerium und dem Sozialministerium in diesem für die Bevölkerung so wichtigen Bereich humanitärer Daseinsvorsorge entscheidend verbessert. KM
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