ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002DMP: Weg mit Hippokrates!
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LNSLNS Wenn ich richtig verstanden habe, konzentriert sich die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 unter, wie Sie, Herr Popert, so pflaumenweich formulieren, „Budgetbedingungen“ in erster Linie in Zukunft auf die Einstellung des Blutzuckers, da dies die Lebensqualität der Patienten verbessert. Will heißen, der Patient kann gut sehen und hat eventuell keine „offenen Beine“! Der Blutdruckeinstellung wird weniger, da ja kein Geld vorhanden ist, eher gar keine Beachtung mehr geschenkt, und dies empfehlen wir als Ärzte mit den DMP den medizinisch nicht versierten Krankenkassenverantwortlichen und Politikern.
Haben Sie, Herr Popert, und alle, die solche Entscheidungen treffen oder auch nur wortreich verteidigen, schon mal einen Hypertoniker gefragt, wie er sich z. B. in einer hypertonen Krise fühlt oder wie er seine Lebensqualität einschätzt? Ist ihnen bekannt, dass nicht jeder Apoplex oder Herzinfarkt zum Tode führt, nein, dass diese Patienten dann möglicherweise bettlägerig oder gelähmt sind, sich nicht mehr selbst helfen können und so natürlich enorme Pflegekosten verursachen?
Möglicherweise wird der so betroffene Patient seine Lebensqualität trotz gutem Augenlicht und gepflegten Füßen dann auch nicht mehr als so gut einschätzen! Welches Programm greift dann? Dekubituspflege? Fangen wir dann mit der Blutdruckeinstellung an? Meint wirklich irgendjemand, dass bei dem Kostendruck, der im Gesundheitswesen herrscht, noch irgendeiner Hochdruckmedikamente für einen Diabetiker genehmigt, wenn solche „Richtlinien“ vorliegen? Wie wollen Sie alle denn den Patienten umfassend aufklären? „. . . wir genehmigen die Kosten für die Blutzuckereinstellung, dann können Sie wenigstens die Fachpresse lesen,
auch wenn die Zeitung dann jemand halten muss . . .“
Aber wir Ärzte können uns dann entspannt zurücklegen, die Verantwortung tragen ja jetzt die Krankenkassen und die Politik, DMP sei Dank! Weg mit Hippokrates!
Dr. Barbara Distler, Scharnhorststraße 33 F, 10115 Berlin
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