ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Landärzte: Angebot und Nachfrage sind nicht im Einklang
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LNSLNS Ihr Brief hat mich betroffen gemacht. Ich kann mich gut in die von Ihnen geschilderte Situation hineinversetzen, da ich im selben ländlichen Raum seit fünf Jahren als Allgemeinmediziner arbeite. Eine Arbeitszeit von 7 mal 24 Stunden am Stück alle drei Wochen (Präsenz am Tag, Dienst in der Nacht), wie sie bei einer „Kleindienstgruppe“ von drei Kollegen gar nicht anders möglich ist, widerspricht allen westeuropäischen Arbeitszeitstandards. Der Marburger Bund setzt sich auch im DÄ seit Jahren zu Recht für den Bereich der in ihm organisierten Ärzteschaft für Verbesserungen ein. Die Regulierung „über den Markt“ kann im Bereich der niedergelassenen Ärzte offenbar diese Mindeststandards auch nicht gewährleisten.
Nachfrage (die im Dienst anrufenden Patienten, welche zum Teil 500 Euro pro Monat an Krankenversicherungsbeiträgen zahlen) und Angebot (die diensthabenden Ärzte, die per Chip-Karte und nach Ablauf einer ganzen Verwaltungskaskade weit weniger als einen Schlüsseldienst für den Einsatz bekommen) stehen nicht mehr im Einklang.
Vielmehr erinnert mich die derzeitige Situation an halbfeudale Zustände, in denen mit dem KV-Sitz ein Lehen vergeben wird, dessen „Bewirtschaftung“ durch bald danach einsetzende Prüfungen, mögliche Regresse und Überforderungen von allen Seiten zu einer Verbitterung und Gleichgültigkeit führen, wie Sie, Frau Kollegin Sieber, es treffend beschrieben haben. Eine Solidarisierung aller betroffenen Ärzte und auch Patienten ist zwar schwierig, aber möglicherweise der einzige Weg, die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass eine rapide Ausdünnung der ambulanten medizinischen Versorgung mit „Landärzten“ im Bereich der Ost-KVen noch aufzuhalten ist. In unserem Bundesland arbeitet seit mehr als einem Jahr der „Thüringer Verein zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin“ daran, die Nachwuchslücke an Allgemeinmedizinern zu schließen.
Dr. med. A. Nicolai, Johannisstraße 1, 98599 Brotterode
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