ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Transplantation: Subjektiv gefärbte Analyse eigener Daten
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LNSLNS . . . Bei der von der Münchener Arbeitsgruppe als Studie deklarierten Untersuchung handelt es sich um eine subjektiv gefärbte retrospektive Analyse der eigenen Daten, die offensichtlich von dem stetigen Bestreben geprägt ist, Spender der Region in der Region zu halten. Das Transplantationsgesetz stellt ausdrücklich klar, dass über die Aufnahme in die Warteliste für eine Organtransplantation sowie über die
Organverteilung an geeignete Patienten nach Regeln zu entscheiden ist, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen und sich insbesondere nach Notwendigkeit, Erfolgsaussicht und Dringlichkeit richten. Für die Organverteilung sind die Wartelisten der Transplantationszentren als eine einheitliche Warteliste zu behandeln. Die Regelungen dienen dem Ziel, für die Patienten gleiche Behandlungschancen auf eine unter Umständen lebensrettende Organübertragung zu wahren.
Vor und nach Einführen des zentralen Auditverfahrens stand das Besagte stets im Zentrum der Transplantationsmedizin. Unter Erfolgsaussicht verstand man keineswegs nur eine möglichst kurze Entfernung zwischen Spender- und Empfänger-Krankenhaus, wodurch ein schneller Organtransport mit kurzer Ischämiezeit erzielt werden sollte. Der Unsinn der Argumentation findet seinen Höhepunkt, in- dem zunächst die höhere Ischämiezeit für ein erhöhtes Risiko des primären Graftversagens anzusehen ist, im folgenden Satz jedoch gesagt wird, dass das kumulative Überleben nach sechs und zwölf Monaten für beide Ischämiezeitgruppen gleich war.
In eigenen Untersuchungen konnten wir bei einem großen Patientenkollektiv zeigen, dass bei einer Ischämiezeit < 240 min bei einer Kardioprotektion mittels intrazellulärer kardioplegischer Lösung (eine Zeit, welche in den meisten Fällen zu erreichen ist) keine signifikante Änderung im Kurz- und Langzeitüberleben zu finden ist. Ferner zeigte sich auch keine erhöhte Inzidenz der Vaskulopathie.
Eine Zunahme der Kosten konnten wir bei unseren eigenen Untersuchungen ebenfalls nicht feststellen, wobei man sich bei Betrachtung der Zahlen der Münchener Kollegen (Standardabweichung > als Mittelwert) fragen muss, ob hier das richtige statistische Verfahren angewandt wurde. In Abhängigkeit vom transplantierenden Zentrum findet man im Rahmen des neuen Allokationssystems Einjahresüberlebenszahlen von 80 bis 90 % bei Zentren mit hoher Transplantationsfrequenz, was sicherlich im oberen Drittel des internationalen Standards zu sehen ist, während die Autoren davon sprechen, dass die klinischen Ergebnisse nicht verbessert werden.
Man kann der Diskussion in dem vorliegenden Artikel nur schwer folgen. Insgesamt bedarf das Thema einer objektiven Darlegung der kumulativen Daten durch Eurotransplant.

Literatur bei den Verfassern

Prof. Dr. med. R. Körfer, Dr. med. G. Tenderich, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
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  • Transplantation: Zurückweisung
    Dtsch Arztebl 2002; 99(44): A-2921 / B-2481 / C-2325
    Groetzner, Jan; Meiser, Bruno; Kaczmarek, Ingo; Müller, Markus; Kreuzer, Eckart; Reichart, Bruno

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