ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Studentisches Aufbegehren in der frühen DDR
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LNSLNS Universitätsgeschichte
Historisch-kritische Bestandsaufnahme
Heinz-Peter Schmiedebach, Karl-Heinz Spiess (Hrsg.): Studentisches Aufbegehren in der frühen DDR. Der Widerstand gegen die Umwandlung der Greifswalder Medizinischen Fakultät in eine militärmedizinische Ausbildungsstätte im Jahr 1955. Franz Steiner Verlag, Stuttgart, 2001, XI, 254 Seiten, gebunden, 38 €
Als 1955 die medizinische Fakultät der Universität Greifswald in eine rein militärärztliche Akademie umgewandelt werden sollte, kam es zu einem Streik der Medizinstudenten, auf den die Staatsmacht mit brutaler Gewalt reagierte und so nicht nur den damals beteiligten Akteuren klar machte, wie es um die Meinungsfreiheit in der DDR bestellt war. Anlässlich des 40. Jahrestages dieses Ereignisses fand an der Universität Greifswald eine Gedenkveranstaltung statt. Die dort gehaltenen Vorträge liegen jetzt in überarbeiteter Form als Sammelband vor. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus historisch-kritischer Bestandsaufnahme und Zeitzeugenberichten. Zunächst werden die damaligen Ereignisse und ihr zeitgeschichtliches Umfeld von ausgewiesenen Historikern minutiös rekonstruiert. Im Zentrum steht der Vorlesungsstreik vom 30. März 1955, mit dem die Studenten ihren Protest gegen die geplante Umwandlung der medizinischen Fakultät in eine militärärztliche Akademie zum Ausdruck bringen wollten. Der Streik wurde im Keim erstickt. Mehr als 200 Studenten kamen damals in Haft. Zwar wurden die meisten nach einigen Tagen wieder freigelassen, doch erhielten fünf mehrjährige Freiheitsstrafen, darunter Klaus Rintelen, der in diesem Band als Augenzeuge zu Wort kommt. Ein Satz aus seinem Greifswalder Vortrag im Jahr 1995 verdient es, festgehalten zu werden: „Jener Widerstand, der damals begann, trägt heute seine Früchte.“ Robert Jütte
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