ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Dyspepsie – das unverstandene Krankheitsbild: Floraverschiebungen mögliche Ursache

MEDIZIN: Diskussion

Dyspepsie – das unverstandene Krankheitsbild: Floraverschiebungen mögliche Ursache

Dtsch Arztebl 2002; 99(40): A-2634 / B-2244 / C-2107

Mamat, Hartmut

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LNSLNS Krankheitsbilder, die klinisch mit der Dyspepsie verwechselbar erscheinen oder bei ausbleibenden Untersuchungen als nicht abgeklärte Dyspepsie laufen, finden sich häufig. Bei mikroökologischen Untersuchungen werden Unverträglichkeitsreaktionen festgestellt, Candida-Überbesiedlungen im Duodenalbereich, Parasitosen insbesondere durch Blastocystis hominis oder auch ein overgrowth syndrome. Helicobacter pylori als häufiges Untersuchungsergebnis bei Dyspepsie entspricht auch meinen Erfahrungen.
Mikroökologische Untersuchungen in meinem Labor zeigen aber eine hohe Häufigkeit von Unverträglichkeitsreaktionen, die nur mit unklaren Oberbauchbeschwerden beim Patienten verlaufen. Es gibt typische Floraverschiebungen, die mit großer Wahrscheinlichkeit für Unverträglichkeitsreaktionen sprechen.
Hefenüberbesiedlungen stellen ein diagnostisches Problem dar, genau so der Nachweis des overgrowth syndrome. Aus Stuhlproben kann man nur den Verdacht auf diese Störungen aussprechen. Exakt ist nur die Analyse einer Probe des Duodenalsaftes.
Negative Pilzkulturen aus Stuhlproben besagen nicht, dass keine Candida-Überbesiedlung besteht. Hohe kulturelle Zahlen von Candida aus Stuhlproben finden sich häufiger bei Candida-Vermehrungen im Enddarmbereich als bei Überbesiedlungen im Dünndarmbereich, weil die Hefen während der Dickdarmpassage allgemein in ihrer Vitalität gestört werden.
Ein overgrowth syndrome kann auch unabhängig von Magenoperationen auftreten. Ohne diagnostisch ersichtliche Ursache im Oberbauch haben wir schon overgrowth syndromes nach schweren Infekten und rapiden Ernährungswechseln im Zusammenhang mit Reisen gefunden.
Blastocystis hominis als Parasit kann sowohl im Dickdarm als auch im Dünndarm vorkommen. Neben den typischen enteritischen Beschwerden gibt es gerade bei Kindern Verläufe, die nur als Oberbauchschmerzen imponieren. Wir konnten auch bei einigen Patienten mit typischer Symptomatik für Reflux (Sodbrennen) den Parasiten Blastocystis hominis vermehrt nachweisen. Die entsprechende antiparasitäre Therapie ergab dann eine deutliche Besserung der Symptomatik.
Mit diesem Diskussionsbeitrag möchte ich darauf aufmerksam machen, dass auch eine gute mikroökologische Untersuchung von Stuhlproben und bei Bedarf Duodenalsaft noch viele diagnostische Hinweise bringen kann, die eine gezieltere Therapie möglich machen.

Dr. med. Hartmut Mamat
Erich-Weinert-Straße 4
02977 Hoyerswerda

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