ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Dyspepsie – das unverstandene Krankheitsbild: Schlusswort
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LNSLNS Für das Interesse an unserer Übersichtsarbeit und die grundsätzliche Zustimmung möchten wir den Kollegen Dr. Mamat und Dr. Naber danken.
Herr Dr. Mamat berichtet über persönliche Erfahrungen mit mikroökologischen Untersuchungsbefunden aus Stuhlproben und Duodenalsaft bei Patienten mit Dyspepsie. Hierbei handelt es sich um nicht validierte Untersuchungsmethoden und demzufolge schwierig beziehungsweise nicht interpretierbare Untersuchungsergebnisse. Ausgenommen hiervon ist das Krankheitsbild der bakteriellen Überwucherung des Dünndarms, das aber üblicherweise nicht durch Untersuchung von Duodenalsaft diagnostiziert wird, sondern mit Hilfe eines H2-Atemtests. Ganz allgemein ist die Feststellung einer Assoziation (zum Beispiel Pilznachweis im Stuhl bei unklaren Bauchbeschwerden) noch kein Beweis für eine kausale Beziehung. Hierzu bedarf es weiterer, überzeugender Indizien. Insbesondere kontrollierte Therapiestudien wären hier sehr hilfreich, sind aber regelhaft nicht verfügbar. Die Besserung der klinischen Symptomatik funktioneller Krankheitsbilder in individuellen Heilversuchen (keine medizinischen Evidenzen verfügbar) ist kein Beweis für die Richtigkeit der Hypothese einer kausalen Beziehung, da der Placeboeffekt bei diesen Krankheitsbildern außerordentlich hoch ist (1).
Herr Dr. Naber führt sehr richtig aus, dass es sich bei nicht abgeklärter Dyspepsie ohne Zweifel um ein Symptom beziehungsweise einen Symptomenkomplex mit vielen verschiedenen Ursachen handelt. Aus diesem Grund sind natürlich auch verschiedene therapeutische Optionen diskutierbar. Unsere Treat-and-test-Strategie ist allerdings nicht so zu verstehen, dass viele verschiedene therapeutische Optionen nebeneinander in Betracht kommen. Vielmehr vertreten wir aufgrund der wissenschaftlichen Datenlage die Auffassung, dass in Regionen mit niedriger H.-pylori-Prävalenz bei Patienten unter 45 Jahren ohne Alarmsymptom und ohne Einnahme von Acetylsalicylsäure beziehungsweise nichtsteroidalen Antirheumatika initial eine Protonenpumpenhemmer-Therapie durchgeführt werden sollte. Nur wenn diese nicht zum gewünschten symptomatischen Erfolg führt, halten wir eine Endoskopie für erforderlich. Weitere therapeutische Entscheidungen werden dann unter Berücksichtigung des endoskopischen Befundes und anderer klinischer Kriterien getroffen.
Herr Dr. Naber weist auf die gute Wirksamkeit der Akupunkturbehandlung auch bei der Dyspepsie hin. Diese Einschätzung beruht sicherlich auf umfangreichen persönlichen Erfahrungen, die medizinische Literatur enthält allerdings keine wissenschaftlichen Studien, die diese Erfahrungen mit harten Daten untermauern. Für die alternativen Therapieoptionen gibt es eine positive Studie zur Wirksamkeit der Hypnose bei funktionellen Bauchbeschwerden, allerdings ist es kaum vorstellbar, diese Therapiemodalität in einer placebokontrollierten Studie wissenschaftlich exakt zu prüfen. Insofern ist eine evidenzbasierte, allgemein gültige Empfehlung der Akupunktur und anderer alternativer Verfahren als Behandlungsmethoden der Dyspepsie nicht möglich. Natürlich kann man dem individuellen Patienten diese relativ komplikationsarmen und häufig beeindruckenden Behandlungsmethoden als individuellen Heilversuch anbieten, wobei im Einzelfall die Frage der Kostenerstattung sicherlich zu klären ist.

Literatur
1. Malfertheiner P, Holtmann G, Peitz U, Birkner B, Arnold R, Hotz J, Leodolter A, Mössner J, Robra B-P: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten zur Behandlung der Dyspepsie. Z Gastroenterol 2001; 39: 937–956.

Priv.-Doz. Dr. med. Joachim Labenz
Medizinische Klinik
Jung-Stilling-Krankenhaus
Wichternstraße 40
57074 Siegen

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