ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2002Private Kran­ken­ver­siche­rung: Beitragsvorteile junger Unternehmen?

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Private Kran­ken­ver­siche­rung: Beitragsvorteile junger Unternehmen?

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Kran­ken­ver­siche­rungsvertreter relativ junger Unternehmen können mit niedrigen Beiträgen locken. Foto: djd
Kran­ken­ver­siche­rungsvertreter relativ junger Unternehmen können mit niedrigen Beiträgen locken. Foto: djd
Neugründertarife verführen dazu, zu einer anderen privaten Kran­ken­ver­siche­rung zu wechseln. Diesen Schritt sollte man sich gut überlegen.

Marktführer DKV ließ die Katze aus dem Sack: Die Beiträge in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung sollen im nächsten Jahr zweistellig steigen. Die eigene Interessenvertretung, der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung e.V. (PKV), Köln, widersprach prompt: Zwar würden viele PKV-Unternehmen zu Beginn des nächsten Jahres – wie in den Vorjahren auch – ihre Beiträge anpassen. Nicht zutreffend sei jedoch, dass davon die gesamte Branche, und dazu noch in zweistelligem Umfang, betroffen sein werde. Viele PKV-Kunden sind jetzt verunsichert und fragen sich, ob sie von einem der großen, arrivierten PKV-Unternehmen zu einem jungen, kleineren Anbieter wechseln sollen.
Neugründer in der privaten Kran­ken­ver­siche­rung haben zunächst Beitragsvorteile, weil sie überwiegend junge und gesunde Risiken versichern. Aber dieser Vorteil ist zumeist schnell aufgezehrt, weil sich die Schadenentwicklungen schnell angleichen. Umsteiger müssen dann beim Neugründer unter Umständen nach einigen Jahren mehr bezahlen als bei einem traditionellen privaten Krankenversicherer.
Neue PKV-Unternehmen können sich zudem durch weitgehende Gesundheitsprüfungen die gesunden Kunden „rauspicken“. Diese verursachen zunächst weniger Leistungen, was manche Unternehmen verleitet, ihre Beiträge sehr niedrig festzusetzen. Doch: Der Schadenverlauf beim Neugründer gleicht sich nach einiger Zeit dem allgemeinen Schadenniveau an. Hinzu kommt, dass junge Gesellschaften wegen der niedrigen Beiträge auch weniger Altersrückstellungen bilden können. Gleichzeitig müssen hohe Anfangsinvestitionen in Verwaltung und Vertrieb verkraftet werden. Darüber hinaus bringen die noch geringen Vermögensanlagen auch weniger Kapitalerträge in die Kasse.
Wer in eine junge Gesellschaft wechseln will, sollte sich diesen Schritt deshalb reiflich überlegen – auch weil man beim Wechsel die Alterungsrückstellungen nicht mitnehmen darf. Wer also bereits einige Jahre Alterungsrückstellungen bei einem PKV-Unternehmen angehäuft hat, um im Alter niedrigere Beiträge zu bezahlen, verliert diese bei einem Wechsel. Zudem ist zu beachten, dass sich die Prämie beim neuen Versicherer nach dem höheren Eintrittsalter berechnet.
Nach umfangreichen Computer-Simulationen der Vereinten Kran­ken­ver­siche­rung (Allianz-Konzern) holt der Neugründertarif den vergleichbaren Tarif des etablierten Unternehmens bereits nach sechs Jahren ein. Zur Verdeutlichung: Ein 36-jähriger PKV-Versicherter, der auf einen 20 Prozent billigeren Neugründer-Tarif umsteigt, würde bereits mit 42 Jahren den gleichen Beitrag wie beim Altunternehmen zahlen. Rolf Combach


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