ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2002Psychotherapeutenkammer Niedersachsen: Kooperation statt Grabenkämpfe

POLITIK

Psychotherapeutenkammer Niedersachsen: Kooperation statt Grabenkämpfe

PP 1, Ausgabe April 2002, Seite 151

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Kammerversammlung der Psychotherapeuten in Niedersachsen ist vor rund einem Jahr gewählt worden – eine erste Bilanz.
Die Psychotherapeutenkammer Niedersachsen (PKN), Hannover*, kann nach rund einem Jahr Erfahrung mit dem Aufbau ihrer Strukturen erstmals Bilanz ziehen: die Kammerversammlung arbeitet seit ihrer Konstituierung am 28. März 2001. Zum Präsidenten gewählt wurde Dr. Lothar Wittmann. Die Voraussetzungen schaffte der Errichtungsausschuss, der seit Februar 2000 aktiv war. Sechs Monate älter ist lediglich die Psychotherapeutenkammer Bremen (415 Mitglieder).
Persönlichkeiten mit integrativen Fähigkeiten
Der Aufbau der rund 2 600 Mitglieder zählenden Landespsychotherapeutenkammer (40 Prozent Niedergelassene, 60 Prozent Angestellte) funktionierte ausgeprochen gut. Als „erfreulich“ bezeichnet Inge Berns, Vizepräsidentin der PKN und bereits im Errichtungsausschuss tätig, ihre Arbeit: „Wir sind in der glücklichen Situation, keine Grabenkämpfe aufgrund historisch gewachsener Unterschiede austragen zu müssen.“ Vor allem liege das daran, dass in der PKN „Persönlichkeiten tätig sind, die integrative Fähigkeiten haben“. Auch die Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde, dem Niedersächsischen Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales, habe gut funktioniert.
Sieben Ausschüsse mit jeweils sieben Personen wurden gegründet, die Satzungen entworfen haben oder sich um die berufs- und sozialrechtlichen Probleme der Psychologischen Psychotherapeuten kümmern: Ausschuss für Finanz- und Beitragsangelegenheiten; Satzung und Geschäftsordnung; Aus-, Fort- und Weiterbildung; Honorarangelegenheiten; Versorgungs- und Alterssicherung; Qualitätssicherung; Berufsordnung und Berufsethik.
Der Ausschuss „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ entwickelt zurzeit Kriterien zur Anerkennung von weiterführenden Qualifikationen. Möglich ist eine Zertifizierung von Fort- und Weiterbildungsgängen. Doch bis zur Anerkennung der Anbieter ist es ein langer Weg, der zudem mit den übrigen Länderkammern abgestimmt werden muss. Vorbereitend versendet die PKN einen Fragebogen an die Mitglieder, in dem sie über ihre Fortbildungspraxis Auskunft geben sollen.
Mit Fragen der Weiterbildung von ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten wird sich ein gemeinsamer Beirat mit der Ärztekammer Niedersachsen beschäftigen: Vier Mitglieder der PKN und vier ärztliche Psychotherapeuten, davon jeweils einer mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, sind bereits benannt worden. Die Kooperation mit der Ärztekammer funktioniere gut, und die Psychotherapeutenkammer übernehme in der Aufbauphase gerne Anregungen, betonte Berns.
Der Ausschuss „Satzung und Geschäftsordnung“ erarbeitete unter anderem eine Satzung zur Schlichtung von Patientenbeschwerden; eingerichtet wurde eine Schlichtungsstelle, in der ein Jurist die Fälle prüft, bei denen eine Schlichtung möglich ist. Erwogen wird, über diese Fälle anonymisiert zu berichten – wie im Niedersächsischen Ärzteblatt üblich –, damit die Mitglieder daraus lernen können. Doch bisher hat die PKN noch kein eigenes Mitteilungsorgan. Die Kammermitglieder werden mithilfe eines Briefes und über den Internetauftritt informiert (www.psycho therapeutenkammer-nds.de).
Der Ausschuss „Qualitätssicherung“ erarbeitet zurzeit „qualitätsrelevante Aspekte in der ambulanten psychotherapeutischen Praxis“, das heißt Kategorien zur Bewertung der eigenen Arbeit. Zur externen Qualitätssicherung verfasst der Ausschuss berufspolitische Stellungnahmen, beispielsweise zur Änderung der Psychotherapievereinbarungen oder zum Gutachterverfahren als Qualitätssicherungsinstrument. Der Ausschuss „Berufsordnung und Berufsethik“ erarbeitet eine Berufsordnung, die Patienten und Therapeuten als Richtlinie für beruflich korrektes Verhalten dienen soll.
Mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen kooperiert die PKN in Zulassungsfragen, bei der Bedarfsplanung und der Abrechnung von Leistungen. Wichtig sei, den KV-Verantwortlichen zu erklären, dass die Arbeit in einer psychotherapeutischen Praxis „anders abläuft“ als bei den Ärzten, zum Beispiel, warum nicht abgerechnet wird, wenn der Patient eine Therapiestunde ausfallen lässt.
Kammer als Chance,
nicht als Zwang
Für die Zukunft wünscht sich die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, dass die Mitglieder die Kammer als Chance sehen könnten und nicht als Zwang. Viele äußerten Unmut wegen des Kammerbeitrags, der im Regelfall 330 Euro jährlich beträgt.
Die übrigen Länderkammern können von den Erfahrungen der Niedersachsen profitieren. Auch im Hinblick auf die geplante Bundes­psycho­therapeuten­kammer kann die PKN eine Vorreiterrolle einnehmen. Die Arbeitsgemeinschaften „Satzung“, „Berufsordnung“ sowie „Aus-, Fort-, und Weiterbildung“ sind bereits auf Bundesebene aktiv. Gerechnet wird mit der Gründung Anfang nächsten Jahres in Berlin. Petra Bühring
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