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Prof. Dr. phil. Eva Bänninger-Huber, Institut für Psychologie, Universität Innsbruck. Foto: privat
Prof. Dr. phil. Eva Bänninger-Huber,
Institut für Psychologie,
Universität Innsbruck. Foto: privat
DÄ: Woran liegt es, dass im deutschsprachigen Raum der Prozessforschung nur wenig, der Erfolgsforschung hingegen so viel Aufmerksamkeit gewidmet wird?
Bänninger-Huber: Das hat vor allem gesundheitspolitische Gründe. Wenn Krankenkassen Psychotherapie-Kosten übernehmen, wollen sie wissen, ob die Therapien, für die sie zahlen, auch effizient sind. Der Druck auf die Krankenkassen, zu sparen und nur noch Therapie mit hohen Erfolgsaussichten zu unterstützen, hat zugenommen. Die Psychotherapieforschung wird zu sehr standes- und gesundheitspolitischen Interessen unterworfen.

DÄ: Sind Gründe dafür auch in der Forschung zu suchen?
Bänninger-Huber: Ja, auch die Psychotherapie-Forscher tragen dazu bei. Die Erfolgsforschung entspricht wissenschaftstheoretisch eher dem „mainstream“. Solche Studien lassen sich deshalb leichter publizieren. Außerdem brauchen neuere Entwicklungen Zeit und Ressourcen. Offenbar sind aber nicht viele Forscher und Geldgeber bereit, darin zu investieren.

DÄ: Wie sieht das im nicht-deutschsprachigen Raum aus, zum Beispiel in den USA? Wird dort mehr Prozessforschung betrieben?
Bänninger-Huber: Nein, eher im Gegenteil. In den USA haben unkonventionelle Ansätze und auch die qualitative Forschung noch weniger Aussicht auf ausreichende Förderung und Forschungsgelder.

DÄ: Welche Erkenntnisse bringt die Prozessforschung, die über die Erfolgsforschung hinausgeht?
Bänninger-Huber: Man weiß nicht nur dass, sondern auch wie Psychotherapie wirkt. Nur wenn man die Mechanismen kennt, die zu therapeutischen Veränderungen führen, kann man die therapeutische Technik verbessern. So kann beispielsweise die Ausbildung von Therapeuten von den Ergebnissen der Prozessforschung profitieren. Den Ausbildungskandidaten könnte vermittelt werden, welche Verhaltensweisen günstig sind oder welche nonverbalen Signale gegeben werden, beispielweise wie sich das psychoanalytische Konzept „Widerstand“ auf der Ebene des Verhaltens zeigt.

DÄ: Haben Sie einen Vorschlag, wie Prozessforschung gefördert und für Psychotherapie-Forscher attraktiver gemacht werden könnte?
Bänninger-Huber: Es sollte mehr Forschungsförderung in diesem Bereich geben. Außerdem sollten die Methoden und Ergebnisse der Prozessforschung und ihre Bedeutung bereits während des Studiums, aber auch bei Vorträgen an verschiedenen Kongressen stärker vermittelt werden.
Die Fragen stellte Marion Sonnenmoser.
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