VARIA: Personalien

Caspar Kulenkampff †

PP 1, Ausgabe Mai 2002, Seite 194

Häfner, Heinz

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Caspar KulenkampffFoto: LVR
Caspar Kulenkampff
Foto: LVR
Am 29. März starb in Hamburg Prof. Dr. med.Caspar Kulenkampff im Alter von 80 Jahren. Kein anderer Psychiater hat in der Nachkriegszeit so viel für die Reform der Versorgung psychisch Kranker in Deutschland und für die Überwindung eines vernachlässigten und inhumanen Systems in Bewegung gesetzt wie Kulenkampff.
Nach Studium und Kriegszeit begann er seine Weiterbildung als Psychiater und Neurologe in Heidelberg, wechselte 1952 an die psychiatrische Klinik der Universität Frankfurt/Main, habilitierte sich unter Jürg Zutt und übernahm dort 1960 als Leitender Oberarzt erstmals Führungsaufgaben. 1966 wurde er an die Universität Düsseldorf berufen und übernahm dort zusammen mit dem Lehrstuhl die Leitung des Psychiatrischen Großkrankenhauses Düsseldorf-Grafenberg. Dort konnte er die unzumutbaren Bedingungen der Unterbringung und das auf Bewahrung mehr als auf Behandlung eingestellte Regime unmittelbar erfahren.
Bereits an der Frankfurter Klinik hatte Kulenkampff begonnen, erste Schritte zu einer rehabilitativ orientierten gemeindepsychiatrischen Versorgung zu tun. Er schuf 1962 die erste Tagesklinik, dann eine Nachtklinik und ein Übergangsheim. Zusammen mit dem Heidelberger Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. med. Walter von Baeyer, gelang es ihm, die Ideen einer Psychiatriereform im Deutschen Verein für Öffentliche und Private Fürsorge publik zu machen. Der Durchbruch gelang ihm 1969 mit Unterstützung des Bundestagsabgeordneten Walter Picard (CDU). Aus dieser gemeinsam mit seinem Heidelberger Kollegen Heinz Häfner gestarteten und von Walter Picard als Antrag der CDU vorbereiteten Initiative ging der Auftrag des Deutschen Bundestages an die Bundesregierung hervor, eine Enquete über die Versorgung psychisch Kranker erstellen zu lassen. 1970 nahm die vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter berufene Sachverständigenkommission unter Vorsitz von Kulenkampff ihre Arbeit auf. Seiner souveränen verständigungs- und kompromissbereiten Führung dieses zeitweilig fast 200 Personen in mitwirkender oder beratender Tätigkeit umfassenden Unternehmens ist zu verdanken, dass es trotz einiger Rückschläge 1975 zur gemeinsamen Verabschiedung der Empfehlungen kam.
Die Umsetzung und Fortentwicklung dieser die ganze Psychiatrie umfassenden Empfehlungen im psychiatrischen und im politisch-administrativen Bereich hat Kulenkampff bis in seine letzten Lebensjahre mitgestaltet. Er wirkte in leitender Funktion an der Beraterkommission des 130 Projekte umfassenden Bundesmodellprogramms und an der 1986 vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter berufenen Expertenkommission Psychiatrie mit. Bis heute lassen die Leitlinien moderner psychiatrischer Versorgung in Ländern und Kommunen seine Handschrift erkennen. Dabei kam ihm zugute, dass er politisch-administrative Erfahrungen früh an entscheidender Stelle im Gesundheitswesen gesammelt hatte. Die Überzeugung, dass eine Umgestaltung des Versorgungssystems besser von der politischen als von der psychiatrischen Ebene aus zu erreichen sei, veranlasste ihn, erfolgreich für das Amt des Leiters der Abteilung Gesundheitspflege des Landschaftsverbandes Rheinland, Köln, zu kandidieren. Das gab ihm die Möglichkeit, die Psychiatriereform in Gestalt eines Rahmenplans zur Versorgung psychisch Kranker und geistig Behinderter auf kommunaler Ebene parallel zur Enquete in Gang zu setzen. Außerdem übernahm er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der gemeinsam mit Walter Picard gegründeten Aktion Psychisch Kranke, die bis heute eine permanente Beraterfunktion gegenüber dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und dem Bundestag einnimmt. In diesen vielfältigen Rollen, die alle unter der einen Aufgabe der Humanisierung und Verbesserung der Versorgung psychisch Kranker wahrgenommen worden waren, bewies Kulenkampff außerordentliche Kompetenz, Führungsqualitäten und politisches Fingerspitzengefühl. Es gelang ihm so, die heterogenen und oftmals auseinander strebenden Kräfte der deutschen Psychiatrie, der Gesundheitsverwaltungen und der Gesundheitspolitik für die große Aufgabe zu gewinnen. Dazu haben neben seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit, seinem starken Einfluss auf eine reformgewillte Generation junger Ärzte und Psychologen auch die gründlichen Kenntnisse der deutschen Verwaltungswirklichkeit beigetragen. Heinz Häfner
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