ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2002Psychiatrie: Kompetenz in Praxis und Klinik vernetzen

BRIEFE

Psychiatrie: Kompetenz in Praxis und Klinik vernetzen

PP 1, Ausgabe Mai 2002, Seite 212

Vogel, Christian

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mit Recht beklagen die zitierten Vertreter der forensischen Psychiatrie, Prof. Kröber und Prof. Pfäfflin, den Mangel in der ambulanten Versorgung psychisch kranker Straftäter, insbesondere in der Versorgung von Sexualstraftätern und Gewalttätern. Dabei wird zutreffend darauf hingewiesen, dass eine nicht ausreichende kompetente Behandlungskapazität im Bereich der niedergelassenen Fachärzte und Psychotherapeuten wie auch in den Ambulanzen psychiatrischer Kliniken herrscht.
Entschieden möchte ich allerdings darauf hinweisen, dass dies nicht ein Problem fehlender Fachkompetenz der Niedergelassenen ist, sondern ein Versorgungsmangel, der sich aus mangelnder Förderung spezieller forensischer Behandlungskompetenz ergibt. Grund dafür sind das geringe Bestreben der zuständigen staatlichen Stellen, diesen Bereich zu fördern. Anstelle der Förderung therapeutischer Möglichkeiten wird eher in Maßnahmen der technischen und personellen Sicherung investiert.
Mittel- und langfristig gilt es, die forensisch therapeutische Kompetenz in Praxis und Klinik zu stärken, kurz- und mittelfristig geht es darum, die durchaus vorhandenen Kompetenzen bei niedergelassenen Fachärzten und Psychotherapeuten mit denen der Klinikambulanzen zu vernetzen. Eine Förderung verdienen zum Beispiel Praxen, die sich schwerpunktmäßig mit der Versorgung von Patienten mit devianten Sexualstörungen und forensischen Problemen beschäftigen. Hier sollten unbedingt durchaus vorhandene Ressourcen genutzt werden. In diesem Zusammenhang ist auf das Problem der Finanzierung der Therapie psychisch kranker Straftäter hinzuweisen, die nur teilweise über die Finanzierungssysteme der Kran­ken­ver­siche­rung gedeckt ist. Sinnvoll könnten auch Clearingstellen sein, die zwischen beteiligen juristischen Institutionen (Bewährungshilfe) und therapeutischen Stellen (qualifizierte Fachärzte, Psychotherapeuten, Ambulanzen) vermitteln können. Völlig unproduktiv und für niemand hilfreich ist jedoch die im Vorspann des Artikels ausgesprochene Entwertung der Niedergelassenen.
Dr. med. Christian Vogel, Arbeitskreis Forensik und Gutachten Psychiatrie, Berufsverband Deutscher Nervenärzte e.V., Agnesstraße 14/III, 80798 München
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige